Ärzte Zeitung online, 29.01.2014

Zervix-Ca

Mit den Zigaretten steigt das Risiko

Raucherinnen haben ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterhalskrebs. Diesen Zusammenhang haben jetzt Forscher aus Daten der EPIC-Studie bestätigt. Auffällig: Das Risiko ist selbst bei HPV-negativen Frauen erhöht.

Mit den Zigaretten steigt das Risiko für Zervix-Ca

Wieder ein Grund, sich das Rauchen abzugewöhnen: Der Tabakrauch scheint auch Gebämutterhalskrebs zu begünstigen.

© Getty Images/iStockphoto

BARCELONA. Ein Zusammenhang zwischen dem Tabakkonsum und der Gefahr, ein Zervixkarzinom zu entwickeln, ist in der Vergangenheit wiederholt festgestellt worden. Weil die einschlägigen Daten im Wesentlichen retrospektiven Fall-Kontroll-Studien entstammten, ließ sich aber nicht abschließend klären, ob Rauchen als kausaler Faktor wirkt.

Esther Roura (Barcelona) und ihre Forschergruppe unter Beteiligung von Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg haben deshalb Ergebnisse einer prospektiven Kohorten-Studie analysiert. Dabei wurden die Daten von mehr als 300.000 Probandinnen der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) ausgewertet (Int J Cancer 2014; online 6. Januar).

In die Analyse flossen Angaben nicht nur zum Rauchverhalten, sondern auch zum Infektionsstatus ein: Blutproben der Frauen waren auf Antikörper gegen die HPV-Typen 11, 16, 18, 31, 33, 35, 45, 52 und 58 sowie gegen Chlamydia trachomatis und Herpes-simplex-Virus 2 getestet worden.

Allgemein zeigte sich, dass Raucherinnen im Vergleich zu Frauen, die nie geraucht haben, doppelt so häufig an einer hochgradigen zervikalen intraepithelialen Neoplasie (CIN III/Carcinoma in situ [CIS]) oder an einem invasiven Zervixkarzinom (ICC) erkranken.

Risiko stieg, je länger und je mehr geraucht wurde

An diesem Befund änderte sich auch nach Abgleich des infektiologischen Status nichts. Dabei stieg das Risiko linear mit der Zahl der verrauchten Jahre und der gerauchten Zigaretten. Umgekehrt war die Gefahr umso geringer, je länger der Zeitpunkt zurücklag, da eine Raucherin zur Exraucherin geworden war. Nach mindestens 20-jähriger Nikotinabstinenz war das Risikoniveau wieder auf jenes von Nie-Raucherinnen gesunken.

Dass Rauchen Zervixkarzinome fördert, halten Roura und Kollegen für biologisch plausibel. Denn Tabakmetaboliten können die DNS von Plattenepithelzellen schädigen, was auch in Abwesenheit von HPV den Weg zum Zervixkarzinom bahnen kann.

Und die immunsuppressiven Effekte des Rauchens führen womöglich dazu, dass etwaige HPV-Infektionen der Zervix persistieren und sich die Zeit verkürzt, bis ein CIN III/CIS vorliegt.

Vollständig gesichert ist die ursächliche Rolle des Rauchens beim Zervixkarzinom aber auch nach dieser prospektiven Studie nicht. Beispielsweise lagen keine Informationen über die sexuellen Gewohnheiten der Frauen vor.

Zwar mögen sich diese zumindest teilweise in den infektionsserologischen Befunden widerspiegeln. Völlig auszuschließen ist jedoch nicht, dass Raucherinnen zu riskanterem Sex neigen und das Rauchen somit einen mehr oder weniger abhängigen Risikofaktor darstellt. (rb)

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