Ärzte Zeitung, 29.07.2004

Creme plus rotes Kaltlicht erspart oft Op bei hellem Hautkrebs

Steigende Inzidenz / Behandlungserfolge auch mit Diclofenac und Imiquimod

FRANKFURT/MAIN (hsr). Bei hellem Hautkrebs setzen sich schonende lokale Verfahren als Alternativen zur Exzision immer mehr durch. Dazu gehören: Ein Topikum aus photosensibilisierender Substanz kombiniert mit rotem Kaltlicht, ein Gel mit dem Antiphlogistikum Diclofenac und eine Creme mit dem Immunmodulator Imiquimod.

Patientin mit Basaliom während der Behandlung mit Imiquimod: Die betroffene Hautregion reagiert mit Rötung. Foto: Stockfleth

Die Neuerkrankungsrate von hellem, unpigmentiertem Hautkrebs - aktinische Keratosen als epitheliale Präkanzerosen sowie oberflächliche Basalzellkarzinome - steigt nach Angaben von Professor Roland Kaufmann jährlich um zwei bis acht Prozent. Mehr als 100  000 Bundesbürger erkranken daran jedes Jahr.

"Nachteile der operativen Verfahren wie Exzision und Laserablation sind langfristig erodierte Hautflächen, Narben, Krustenauflagerungen und Ödeme mit möglichen Pigmentverschiebungen", sagte der Direktor der Universitäts-Hautklinik in Frankfurt am Main auf einer Veranstaltung der Frankfurter Klinikallianz.

Früher, heller Hautkrebs zunehmend häufiger

Doch gerade für die oberflächlichen und frühen Formen von hellem Hautkrebs, "die wir aufgrund der Aufklärungskampagnen glücklicherweise jetzt immer häufiger sehen", stehen nach Aussage des Dermatologen mittlerweile wenig invasive, topisch wirksame Techniken zur Verfügung, die das Herausschneiden dieser Tumoren oft überflüssig machen.

Als eine mit über 90 Prozent Heilungsraten bereits etablierte Methode nannte Kaufmann die bei hellem Hautkrebs vor kurzem zugelassene photodynamische Therapie (PDT). Dafür werden die Hautläsionen in zwei Sitzungen zunächst mit einer Creme (Metvix®), die den Photosensibilisator Methyl-Amino-Oxo-Pentanoat enthält, eingerieben und nach drei Stunden mit einer roten Kaltlichtquelle (Actilite®) der Wellenlänge 630 nm bestrahlt.

Die lichtinduzierte Reaktion setzt Sauerstoffradikale frei, die die Tumorzellen zerstören, gesundes Gewebe - harmlose solare Lentigines etwa oder seborrhoische Keratosen - aber schonen. Auch beim In-situ-Karzinom M. Bowen, einer Variante des Spinalioms, ist die PDT nach Angaben Kaufmanns Therapie der ersten Wahl.

Behandlungserfolg mit COX-2-Hemmung

Überraschend zur topischen Behandlung bei aktinischen Keratosen wird zudem das als COX-2-Hemmer bekannte Diclofenac verwendet. Die Substanz ist in Deutschland als Solaraze® mit drei Prozent des Wirkstoffs in 2,5prozentigem Hyaluronsäure-Gel zugelassen. "Es gibt Hinweise darauf, daß sich über die Hemmung der Cyclooxygenase UV-Licht-induzierte Schäden an Keratinozyten vorbeugen oder sogar beseitigen lassen", so Kaufmann.

Nachteilig auf die Compliance der Patienten könne sich aber die zweimal tägliche, konsequente Applikation über 60 bis 90 Tage auswirken. Möglicherweise verhindere die Substanz jedoch die Entstehung aktinischer Keratosen "und sei dadurch künftig durchaus erfolgversprechend", wenn sie einem Sonnenschutzmittel beigemischt werde.

Eine zunächst nur für Patienten mit oberflächlichen Basalzellkarzinomen - "aber vielleicht auch für solche mit aktinischen Keratosen" - weitere neue Option, mit deren Zulassung noch dieses Jahr gerechnet wird, stellte Kaufmann vor. Die Rede ist von dem bereits bei Condylomata acuminata erfolgreich verwendeten Imiquimod. In Studien mit Aldara® Creme, die die lokale Ausschüttung von Zytokinen anregt, das Immunsystem stärkt und so die Apoptose der Krebszellen fördert, konnten bis zu 100prozentige Heilungsraten bei zweimal täglicher Applikation über sechs Wochen erreicht werden.

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