Ärzte Zeitung, 24.01.2005

Impfung mit Peptiden läßt Melanome bei Mäusen schrumpfen

Johann-Georg-Zimmermann-Preis für Immunologen aus Würzburg und Pathologen aus Berlin / Forschung zu Melanom und malignen Lymphomen

HANNOVER (grue). Für Verdienste in der Krebsforschung haben ein Immunologe und ein Pathologe den Johann-Georg-Zimmermann-Preis 2005 erhalten. Der zweigeteilte, mit insgesamt 15 000 Euro dotierte Preis wird seit 33 Jahren von der Deutschen Hypothekenbank gestiftet und gehört zu den renommiertesten Auszeichnungen in der Krebsforschung.

Den Preis für Nachwuchsforscher nahm Professor Jürgen C. Becker von der Hautklinik der Universität Würzburg entgegen. Becker beschäftigt sich mit der Immuntherapie beim Malignen Melanom, mit der die natürliche Abwehr gegen Tumorzellen verstärkt werden soll.

Wie der Immunologe bei der Preisverleihung in Hannover erläuterte, eignet sich der schwarze Hautkrebs besonders für solche Untersuchungen, da er eine spezifische T-Zell-Immunantwort auslöst. Zytotoxische T-Zellen können in seltenen Fällen den Tumor vollständig auflösen, was als Spontanheilung bekannt ist. Forscher versuchen deshalb seit längerem, durch Impfung mit tumorspezifischen Antigenen die Immunantwort von Hautkrebs-Patienten zu verstärken.

Das gelinge aber nur vorübergehend, so Becker, weil Tumorzellen unter dem Selektionsdruck der stimulierten T-Zellen schnell ihr Antigen-Muster verändern. Becker und seine Mitarbeiter konzentrieren sich deshalb auf das Antigen Survivin, das in tumornahen Fibroblasten, Endothelzellen und Makrophagen gefunden wird. Bei Mäusen mit Melanom, denen der lösliche Peptid-Komplex geimpft wurde, ging die Tumormasse zurück. Die Impfung mit Survivin-Peptiden soll jetzt in einer klinischen Studie geprüft werden, zunächst als Second-Line-Therapie bei Patienten mit metastasiertem Melanom.

Professor Harald Stein von der Charité in Berlin wurde für seine immunhistochemischen Arbeiten zur Lymphom-Diagnose geehrt. Der Pathologe hatte zunächst Oberflächenmoleküle auf B-Lymphozyten nachgewiesen, mit denen sich gutartige von bösartigen lymphatischen Tumoren unterscheiden lassen.

"Maligne Lymphomzellen sehen unter dem Mikroskop fast wie gesunde Zellen aus, können aber wegen ihrer Oberflächen-Rezeptoren mit spezifischen Antikörpern gefärbt werden", so Stein. Der Zytokinrezeptor CD30 etwa wird von Tumorzellen in Hodgkin-Lymphomen gebildet. Eine seltene Form der Krankheit - das anaplastische großzellige Hodgkin-Lymphom - läßt sich ausschließlich mit der neuen Diagnostik sicher zuordnen. Stein ist Mitautor der WHO-Klassifikation maligner Lymphome, die Grundlage für international vergleichbare Therapiestudien ist.

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