Ärzte Zeitung, 20.11.2006

HINTERGRUND

Egal ob die Bräune vom Sonnenbad oder vom Solarium kommt - die Haut vergißt keine UV-Strahlung

Von Helga Brettschneider

Immer mehr Menschen erkranken an Hautkrebs. Die drei häufigsten Formen sind das Basalzell-Ca, das Plattenepithel-Ca und das Melanom. Ultraviolettes (UV) Licht ist der größte Risikofaktor. Dabei ist es egal, ob die UV-Quelle natürliches Sonnenlicht oder ein Solarium ist. Der Stand der Dinge bei Hauttumoren war ein wichtiges Thema beim Medica-Kongreß.

Von den drei Krebsarten ist das Basalzell-Karzinom am häufigsten. Pro Jahr erkranken fast 70 Männer und 45 Frauen - je pro 100 000 Einwohner. Der Tumor entsteht vor allem dort, wo viel Licht auftrifft: an Kopf und Hals. Oft beginnt er mit einem kleinen, Pickel-ähnlichen Knötchen, das glasig wirkt, Gefäße hat und schlecht abheilt, erinnerte Dr. Klaus-Werner Schulte von der Universität Düsseldorf. Metastasen entstehen praktisch nie, aber der Tumor wächst invasiv.

Spreitendes malignes Melanom mit starker Pigmentierung. Foto: Schauerte

Erst aktinische Keratose, dann das Plattenepithel-Karzinom

Das Plattenepithel-Ca - der zweithäufigste bösartige Hauttumor - bildet sich bevorzugt an Stellen, die dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt sind, etwa im Gesicht, auf der Glatze, an den Ohren, den Unterarmen und am Handrücken. Das Risiko steigt mit der über die Jahre angehäuften UV-Dosis.

Um das 60. Lebensjahr herum entsteht zunächst eine aktinische Keratose. Bereits dann sollten die Patienten behandelt werden, denn bei etwa jedem vierten entsteht daraus ein Plattenepithel-Ca. Bei früher Diagnose sind die Heilungschancen sehr gut. Metastasen kommen selten vor. Sowohl am Basalzell- als auch am Plattenepithel-Ca erkranken meist alte und hellhäutige Menschen.

Das Therapieprinzip bei beiden Tumoren ist einfach: Sie werden operativ entfernt. Kann nicht operiert werden, kommt eine Bestrahlung in Betracht. In sehr frühen Stadien mit oberflächlicher Ausbreitung wird seit kurzem auch durch Ablösen der obersten Hautschicht behandelt.

Der dritte wichtige Hauttumor, das Melanom, ist am aggressivsten. Es tritt bevorzugt am Körperstamm auf, seltener im Gesicht. Das Melanom ist meist dunkel gefärbt. Es metastasiert früh - sowohl über Lymph- als auch über Blutgefäße. Das Melanom kann überall in der Haut entstehen, auf Leberflecken und - häufiger - auf Arealen, die nicht stärker pigmentiert sind als das umgebende Gewebe. Das betrifft auch die Haut unter den Nägeln an Händen und Füßen sowie die Schleimhäute. Meist geht der Tumor von Melanozyten aus.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin bekommen in Deutschland jährlich 13 700 Menschen ein Melanom. Das Durchschnittsalter zum Diagnose-Zeitpunkt liegt bei 55 Jahren. Wichtigster Risikofaktor für die Entstehung ist kurzzeitig hohe UV-Strahlung, der sich Menschen unter freiem Himmel oder im Solarium aussetzen. Besonders Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend rächen sich später.

Empfindlich reagieren bekanntlich vor allem hellhäutige Menschen: Der rotblonde Hauttyp 1 mit sehr heller Haut, Sommersprossen und blauen Augen wird beim Sonnenbaden schnell krebsrot statt braun. Der nicht ganz so blasse, blond- bis braunhaarige Typ 2 schafft nach anfänglichem Sonnenbrand noch eine leichte Tönung.

Beide bekommen bis zu viermal häufiger ein Melanom als die dunkleren Hauttypen 3 und 4. Auch Menschen mit mehr als 50 Muttermalen oder großen Malen sind besonders gefährdet. Sie sollten sich regelmäßig untersuchen lassen, empfiehlt Schulte. Denn bei ihnen ist die Melanom-Wahrscheinlichkeit im Vergleich zu Menschen ohne Muttermale um mehr als das Vierfache erhöht. Dermatologen empfehlen jährliche Kontrollen.

Prävention ist beim Melanom lebenswichtig. Verdächtig sind neue Pigmentmale und alte Flecken, die sich verändern: wenn sie größer, knotig oder asymmetrisch werden, ihre Farbe ändern oder fleckig gefärbt wirken, ausgefranste und verwaschene Ränder haben. Auch juckende oder blutende Male sollten Anlaß zu einer Untersuchung geben.

Je früher behandelt wird, um so besser sind die Aussichten. "Wichtigster Prognosefaktor ist die Tumordicke", sagt Schulte. Der Tumor wird mit einem Rundum-Sicherheitsabstand von mindestens 1 cm im gesunden Gewebe entfernt. Ist der Tumor dünner als 1 mm, dann sind die Chancen gut: 97 Prozent der Patienten leben auch noch nach zehn Jahren. Ab 4 mm Tumordicke lebt nach zehn Jahren nur noch jeder zweite Patient.

In die Wächter-Lymphknoten wandern Tumorzellen zuerst

Ab 1 mm Dicke werden auch die tumornahen Lymphknoten entfernt. Sind sie befallen, dann erhält der Patient zusätzlich Interferon. Das macht die Tumorzellen für das Immunsystem besser erkennbar. Eine Bestrahlung erfolgt zum Beispiel, wenn das kranke Gewebe nicht oder nur teilweise entfernt wurde.

Soweit sollte es aber gar nicht kommen, meint Schulte. "Wir versuchen, durch Aufklärungskampagnen Melanome möglichst früh zu erwischen." Immerhin: Derzeit haben neun von zehn Betroffene zum Diagnose-Zeitpunkt keine Metastasen.

Am besten schützt vernünftiger Umgang mit UV-Licht. Vor allem Kinder brauchen bekanntlich einen Schutz für ihre empfindliche Haut. Denn zwei Drittel der im Verlauf des Lebens aufgenommenen UV-Dosis nehmen Menschen vor dem 18. Lebensjahr auf. Säuglinge dürfen sich gar nicht in der prallen Sonne aufhalten. Auch nicht mit dem üblichen Sonnenschirmchen als Schutz.

STICHWORT

Melanom

Daten aus dem Krebsregister des Saarlands sowie aus internationalen Krebsregistern zeigen, daß sich die Inzidenz des Melanoms in den vergangenen 20 Jahren etwa verdoppelt hat. Dermatologen gehen heute für Deutschland von etwa zwölf Erkrankungen pro 100 000 Einwohner aus. Das entspricht etwa 10 000 Patienten pro Jahr. In Australien und Ozeanien ist das Melanom fünf- bis sechsmal häufiger. Die meisten Menschen erkranken in einem Alter von 50 bis 60 Jahren. Immerhin knapp ein Viertel der Patienten ist zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 40 Jahre. Weil die Diagnose bei neun von zehn Patienten sehr früh gestellt wird, liegt die Zehnjahres-Überlebensrate bei 75 bis 80 Prozent. (eb)

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