Ärzte Zeitung online, 08.04.2011

Keine Chance dem Hautkrebs: Schon jetzt vor der Sonne schützen

Auch die Frühlingssonne hat es in sich: Hautärzte der Berliner Charité raten den Menschen zu frühzeitigem Schutz, denn die Sonne strahlt derzeit schon so stark wie im Hochsommer. Und die Hautkrebsrate steigt.

Keine Chance dem Hautkrebs: Schon jetzt vor der Sonne schützen

Vorbeugung ist das oberste Gebot: Wer sich kräftig eincremt, schützt sich vor der Sonneneinstrahlung

© dpa

BERLIN (dpa/eb). Jahr für Jahr erkranken nach Angaben der Deutschen Krebshilfe rund 195  000 Menschen in Deutschland neu an Hautkrebs - die Tendenz ist steigend.

"Wir haben jährlich eine Zunahme von fünf Prozent bei Hautkrebs aller Arten", sagte der Leiter der Europäischen Hautkrebsstiftung, Professor Eggert Stockfleth, am Donnerstag in Berlin.

Viele unterschätzen Gefahr der Sonneneinstrahlung

Und obwohl das Hautkrebs-Screening in der Bevölkerung zunehmend besser angenommen werde, unterschätzten viele Menschen weiterhin die Gefahr von zu viel Sonneneinstrahlung, betonte er. Sonnenschutz durch Schatten, Kleidung und ausreichendes Eincremen sei - vor allem für Hellhäutige und Kinder - überaus wichtig.

"Die Hälfte von uns wird irgendwann einen hellen Hautkrebs entwickeln", prognostizierte Stockfleth, der das Hauttumorcentrum HTTC am Berliner Universitätsklinikum Charité leitet.

Diese Form des Hautkrebses ist im Vergleich zum Malignem Melanom (Schwarzer Hautkrebs) ungefährlicher, kommt aber inklusive seiner Vorläuferform um ein Vielfaches häufiger vor.

171.000 Menschen erkranken pro Jahr an hellem Hautkrebs

Wie die Deutsche Krebshilfe auf ihrer Webseite ausweist, erkranken jährlich rund 171.000 Menschen am Basalzell- oder Plattenepithelkarzinom, während der schwarze Hautkrebs bei 24.000 Menschen neu auftritt.

"Das Melanom ist der bösartigste Krebs überhaupt, den wir beim Menschen kennen, und der helle Hautkrebs ist der häufigste", fasste Stockfleth zusammen. Dennoch gebe es den großen Vorteil, dass beide frühzeitig zu erkennen und auch zu behandeln seien.

Das kostenlose Hautkrebs-Screening, das GKV-Versicherte ab 35 Jahren seit 2008 alle zwei Jahre nutzen können, sei hierzu ein wichtiger Schritt. Die Deutsche Krebshilfe schätzt, dass 13 Millionen Menschen die Untersuchung bis 2010 bereits in Anspruch genommen haben.

Neue Ansätze der Therapie

Wird Hautkrebs erkannt, wird der Tumor meist in einer Operation entfernt. Neue Ansätze der Therapie bewähren sich laut Stockfleth beim hellen Hautkrebs und der aktinischen Keratose, einer Vorform, bei der die Oberhaut verhornt und verkrustet.

"Wir behandeln die gesamte, chronisch lichtgeschädigte Region flächendeckend mit Gel oder Salbe. Das dauerte bislang mehrere Wochen, mit neuen Medikamenten jedoch nur noch zwei bis drei Tage", erklärte der Hautarzt.

Wie er weiter ausführte, ist die Berliner Charité zusammen mit rund 30 anderen Unikliniken in Europa Referenzzentrum eines neuen Diagnostikverfahrens: Finden sich verdächtige Veränderungen an der Haut, muss zur Abklärung nicht zwingend geschnitten werden. Stattdessen erlaubt ein Laserscanner einen Blick unter die Hautoberfläche.

Viele Menschen verwenden zu wenig Creme

Damit es nicht so weit kommt, ist Vorbeugung das oberste Gebot. "Wir konnten 2010 erstmals in einer Studie nachweisen, dass ausreichendes Eincremen nicht nur vor hellem Hautkrebs, sondern auch vor dem schwarzen Hautkrebs schützt", sagte Dr. Claas Ulrich, Oberarzt an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité.

Allerdings liege hier auch das Problem: Eine Studie der Berliner ergab, das häufig zu wenig Creme aufgetragen wird - durchschnittlich nur ein Viertel der benötigten Menge. Besonders oft wurden hoch schützende Sonnencremes unterdosiert.

"Dadurch war der Schutz oft noch geringer als bei denjenigen, die Cremes mit niedrigerem Lichtschutzfaktor aufgetragen hatten", sagte Ulrich.

Jeder Mensch habe so eine Art UV-Konto, betonten die Ärzte. "Da wird ein Leben lang eingezahlt, aber nie etwas ausgezahlt", sagte Stockfleth. So könne nach 30 oder 40 Jahren irgendwann Krebs entstehen.

Sonne im April so stark wie im August

Vor allem im Frühling wird die Kraft der Sonne häufig unterschätzt. Die Sonne strahlt im April genauso stark wie im Hochsommer im August, wird allerdings nur nicht so wahrgenommen. Auch dass das Ozonloch weiter wächst, auch über Europa, sollten die Menschen beachten.

Erst am Dienstag hatten Forscher vor einem Rekord-Ozonloch über der Arktis gewarnt. Die Zerstörung der vor UV-Strahlen schützenden Ozonschicht ist dort nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) in diesem Frühjahr so groß wie noch nie. Das Ozonloch könne in den nächsten Wochen Richtung Mitteleuropa driften.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »