Ärzte Zeitung online, 19.07.2011

Krebs durch UV plus Viren

UV-Strahlen allein sind nicht Ursache von weißem Hautkrebs. Es muss wohl eine Infektion mit humanen Papilloma-Viren hinzukommen. Forscher aus Heidelberg konnten diese Vermutung jetzt untermauern.

Viren fördern UV-bedingten Hautkrebs

Basaliom: Die Entstehung wird begünstigt durch HPV.

© Klaro

HEIDELBERG (eb). Forscher aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der International Agency for Research on Cancer in Lyon entdeckten, dass bestimmte humane Papillomaviren die Haut von Mäusen lichtempfindlich machen. Damit tragen die Erreger ursächlich zur Entstehung von weißem Hautkrebs bei.

Unser sonnenhungriges Freizeitverhalten wie Reisen in südliche Länder, Sonnenbaden oder ausgedehnte Outdoor-Aktivitäten fördert die Entstehung von weißem Hautkrebs (Spinaliome und Basaliome).

Doch Experten bezweifeln, dass UV-Licht allein für die Krebsentstehung verantwortlich ist: In den letzten Jahren hatten Ärzte beobachtet, dass Empfänger von Organtransplantaten, deren Immunsystem dauerhaft durch Medikamente gedämpft wird, bis zu hundertmal häufiger an weißem Hautkrebs erkranken als die Normalbevölkerung.

"Das legt nahe, dass auch ein infektiöser Erreger an der Krebsentstehung beteiligt ist", sagt der Virologe Professor Lutz Gissmann aus dem DKFZ in einer Mitteilung des Zentrums.

Zellen des weißes Hautkrebses enthalten Papillomaviren

Diese Vermutung wurde durch die Beobachtung untermauert, dass bestimmte humane Papillomviren (HPV) Hautveränderungen hervorrufen, die zu weißem Hautkrebs entarten können. Außerdem wurde in weißen Hautkrebszellen das Erbgut dieser Viren entdeckt.

Gemeinsam mit Dr. Massimo Tommasino von der International Agency for Research on Cancer in Lyon untersuchten Wissenschafter um Lutz Gissmann und Daniele Viarisio nun, ob Papillomviren tatsächlich eine ursächliche Rolle bei der Krebsentstehung spielen oder nur als zufällige "Begleiterscheinung" auftreten.

Bei den unter Verdacht stehenden Viren handelt es sich um Erreger der so genannten "beta-HPV"-Gruppe. Es sind nahe Verwandte von HPV-16 und 18, die Professor Harald zur Hausen und seine Mitarbeiter bereits in den 80er Jahren als Ursache für den Gebärmutterhalskrebs entdeckt hatte. Für diese Entdeckung erhielt zur Hausen 2008 den Nobelpreis für Medizin.

HPV-Gene E6 und E7 lassen die Zellen entarten

HPV sind außerordentlich gut erforscht. So ist es bekannt, dass die beiden Virusgene E6 und E7 dafür verantwortlich sind, dass infizierte Zellen zu Krebs entarten.

Das Forscherteam aus Heidelberg und Lyon wählte daher diese beiden Gene der beta-Papillomviren aus, um sie mit gentechnischen Methoden in Hautzellen von Mäusen einzubringen und so eine chronische Virusinfektion zu imitieren.

Die obere Hautschicht (Epidermis) der genveränderten Tiere wucherte stärker als die ihrer normalen Artgenossen, jedoch bildeten sich keine Tumoren. Setzten die Forscher die genveränderten Tiere jedoch UV-Strahlung aus, so bildete ihre Haut so genannte aktinische Keratosen ("Lichtschwielen"), die als Vorstufen der bösartigen Plattenepithelkarzinome (Spinaliome) gelten.

Nach einiger Zeit entstand bei einem Teil der Mäuse aus den Vorstufen tatsächlich weißer Hautkrebs. Kontrolltiere dagegen zeigten bei der gleichen UV-Dosis keinerlei Hautveränderungen.

Bald per Impfung gegen weißen Hautkrebs?

"Offensichtlich machen die beta-Papillomviren die Hautzellen anfälliger für schädliche UV-Strahlung und sind damit ursächlich an der Krebsentstehung beteiligt", erklärt Gissmann.

"Mit diesem Wissen können wir nun überlegen, ob besonders gefährdete Personengruppen wie etwa Empfänger von Organtransplantaten durch eine Impfung gegen beta-Papillomviren vor Hautkrebs geschützt werden können."

Gissmann war bereits maßgeblich an der Entwicklung der 2006 eingeführten Schutzimpfung gegen HPV16 und 18 beteiligt, die Frauen vor Gebärmutterhalskrebs schützen soll.

"Aus den bisherigen Erfahrungen mit dieser Vakzine wissen wir, dass die Impfung gegen Infektionen mit Papillomviren schützt. So könnte auch ein Impfstoff gegen die beta-Papillomviren weißem Hautkrebs vorbeugen."

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