Kongress, 24.02.2012

Hoffnungsträger Kombination beim Melanom

Hoffnungsträger Kombination beim Melanom

"The graveyard of drug development": So nannte die US-Biotech-Branche jahrelang das Melanom. Doch plötzlich ist alles anders. Innerhalb kurzer Zeit haben zwei neue Medikamente eine Zulassung für diese Indikation bekommen.

Damit gibt es für die bisher als Standard geltende Chemotherapie mit DTIC (Dacarbazin) zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten zugelassene Alternativen. Die beiden Ansätze, auf die sich derzeit bei der Therapie von Patienten mit metastasiertem Melanom alle Augen richten, sind die selektive BRAF-Hemmung und die Immuntherapie mit Anti-CTLA-4-Antikörpern.

Der BRAF-Hemmer Vemurafenib ist erst seit wenigen Tagen auch in Europa offiziell erhältlich. Er zielt auf jene 40 bis 60 Prozent der Melanom-Patienten im Stadium IV, bei denen die Tyrosinkinase BRAF mutiert ist.

Die Ansprechraten in den Studien waren bei dieser Subpopulation erheblich: Sie lagen teilweise bei 80 Prozent. Allerdings ist der Effekt häufig nicht von Dauer. "Beim progressionsfreien Überleben (PFS) erreichen wir bisherigen Daten zufolge im Median sechs Monate.

Beim Gesamtüberleben sind es 14 Monate. Und das Einjahres-Überleben liegt bei 58 Prozent", betonte Professor Dirk Schadendorf vom Universitätsklinikum Essen.

Schon etwas länger im Markt ist der CTLA-4-Antikörper Ipilimumab, der die Immuntoleranz hemmt. "Etwa 15 bis 20 Prozent der Patienten mit Melanom im Stadium IV sprechen darauf an", sagte Professor Stephan Grabbe vom Universitätsklinikum Mainz.

Bei einigen dieser Patienten werden dramatische Remissionen beobachtet, obwohl die Substanz nicht kontinuierlich, sondern nur viermal gegeben wird. Das PFS betrug in den Zulassungsstudien Schadendorf zufolge zwei bis drei Monate. Das mediane Gesamtüberleben lag bei elf Monaten. Nach einem Jahr leben noch 47 und nach drei Jahren 20 Prozent der Patienten.

Viel spreche dafür, dass die Erfolgsraten durch eine Kombination aus Immuntherapie und BRAF-Hemmung verbessert werden könnten, so Schadendorf. "Die Hersteller Roche und BMS haben dazu ein Kooperationsabkommen unterzeichnet. Eine entsprechende Studie läuft seit Dezember 2011", betonte der Experte.

Auch ganz andere Ansätze könnten sich als interessant erweisen. Schadendorf berichtete, dass GlaxoSmithKline gerade über den erfolgreichen Abschluss einer Phase-III-Melanom-Studie mit dem MEK-Inhibitor Trametinib informiert habe. Die Detailergebnisse sollen beim US-Onkologenkongress ASCO 2012 vorgestellt werden.

Trametinib setzt an demselben Signalweg wie die BRAF-Hemmer an, nur an einer anderen Stelle. Es ist deswegen ein interessanter Kombinationspartner zur Umgehung oder Verhinderung von BRAF-Resistenzen. Auch bei den Immuntherapien bleibt der Zug nicht stehen: Grabbe sieht Anti-PD1-Antikörper als interessante Weiterentwicklung bisheriger Ansätze an.

Im Gegensatz zu den Anti-CTLA-4-Antikörpern wirken Anti-PD1-Antikörper nicht nur auf die Interaktion zwischen dendritischen Zellen und T-Zellen, sondern auch auf die Interaktion zwischen Tumorzellen und T-Zellen. (gvg)

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