Ärzte Zeitung online, 07.02.2013

Melanom

Was passiert, wenn der Wächter schläft?

Rezidiv-Entwarnung bei Hautkrebs ohne betroffene Wächterlymphknoten? Damit ist Vorsicht geboten, wie Kollegen aus den USA gezeigt haben.

Was passiert, wenn der Wächter schläft?

Das Rezidivrisiko im Kopf behalten.

© D. Kucharski & K. Kucharska / Shutterstock.com

DENVER. Selbst bei negativen Befunden in den Sentinellymphknoten kann es in seltenen Fällen zu Melanomrezidiven kommen. Welche Patienten besonders gefährdet sind, haben US-Wissenschaftler untersucht.

In ihrer retrospektiven Studie beschäftigten sich Edward Jones von der University of Colorado in Denver und sein Team auch mit der Frage, wie die Erkrankung nach Melanomrezidiven trotz negativen Sentinels voranschreitet.

Zu diesem Zweck analysierten die Forscher die Krankenblätter von 515 Melanompatienten, die sich zwischen 1996 und 2008 einer lokalen Tumorexzision mit begleitender Biopsie von Wächterlymphknoten unterzogen hatten (JAMA Surg 2013; online 16. Januar).

Rezidive des schwarzen Hautkrebses erlitten 83 Patienten (16 Prozent). 21 Patienten zeigten dabei Metastasen im Abstromgebiet der Sentinelknoten. Bezogen auf die Gesamtzahl von 515 Patienten betrug die Rate falsch negativer Befunde damit rund 4 Prozent.

Rezidive auch nach Jahren

Von Rückfällen betroffen waren besonders Patienten mit tiefer reichenden Primärläsionen: Im Durchschnitt erreichte die Breslow-Dicke der ursprünglichen Läsion 2,8 Millimeter bei Patienten mit und 1,8 Millimeter bei Patienten ohne Rezidiv.

Auch waren die Läsionen bei Patienten, die später ein Melanomrezidiv entwickelten, häufiger ulzeriert (32,5 versus 13,5 Prozent). Anfällig dafür, Absiedlungen zu bilden, waren Melanome im Kopf- und Halsbereich.

42,2 Prozent der Rezidivpatienten, aber nur 17,2 Prozent der von Rezidiven verschonten Patienten hatten zuvor Melanome in diesem Bereich aufgewiesen.

Höheres Lebensalter bei Diagnose war ebenfalls häufiger mit Rückfällen assoziiert, allerdings war dieser Zusammenhang eher schwach.

Das Auftreten von Melanommetastasen verschlechterte die Prognose deutlich. Lag die Fünf-Jahres-Überlebensrate in der gesamten Gruppe mit negativem Sentinelbefund bei 91 Prozent, sank sie nach Auftreten von Rezidiven auf 64 Prozent. Die Lokalisation spielte dabei keine wesentliche Rolle.

Erhellend war auch ein Blick auf den Zeitpunkt des erneuten Melanomwachstums. Im Median trat das Rezidiv nach knapp zwei Jahren auf, es konnte sich aber auch mehr als acht Jahre nach der ersten Diagnose noch entwickeln. Hätte man die Patienten nur fünf Jahre lang nachuntersucht, wären fast 11 Prozent der Rückfälle übersehen worden. (rb)

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