Ärzte Zeitung, 28.02.2014

Melanom

Sonnenbrände schaden der Haut doppelt

BONN. Sonnenbrände tragen nicht nur direkt durch Erbgutveränderungen von Pigmentzellen zur Entstehung von Schwarzem Hautkrebs bei, sondern auch indirekt durch entzündliche Prozesse im umgebenden Gewebe.

Die Entzündung in der Haut nach starker Sonnenexposition begünstigt die frühe Auswanderung entarteter Pigmentzellen entlang von Gefäßen in das Körperinnere, wie die Uni Bonn mitteilt. Die Daten werden im Journal "Nature" publiziert.

Um die Entstehung und frühzeitige Absiedelung von entarteten Pigmentzellen zu verstehen, haben die Forscher experimentelle Modelle in der Maus entwickelt, mit denen sich auch die Wirkung von UV-Strahlen untersuchen lässt.

"Immer wieder haben wir in UV-bestrahlten Mäusen vermehrt Melanommetastasen in der Lunge beobachtet", berichtet die Dermatologin Dr. Evelyn Gaffal. In Gewebsschnitten fiel auf, dass sich Melanomzellen in entzündeter Haut häufig auf der Oberfläche von Blutgefäßen ausbreiten.

Mit Fluoreszenz- und Elektronenmikroskopie fanden die Forscher eine enge Beziehung zwischen Melanomzellen, Zellen der inneren Blutgefäßwände und Immunzellen, vor allem den neutrophilen Granulozyten.

Weitere Experimente ergaben, dass neutrophile Granulozyten eine wichtige Rolle bei der Metastasierung spielen. Sie werden durch Alarmsignale angelockt, die UV-geschädigte Zellen in der Oberhaut aussenden.

Mit Hilfe von speziellen Mausstämmen, denen wichtige Moleküle für die Aktivierung der angeborenen Immunabwehr fehlen, konnten die beteiligten Signalwege aufgeklärt werden.

Im LIMES-Institut der Universität Bonn beobachteten die Forscher mit neuen Methoden die Interaktion zwischen Melanomzellen und den Zellen der inneren Blutgefäßwände: Melanomzellen bewegen sich auf Blutgefäßoberflächen besonders effektiv fort.

Die Beweglichkeit von Melanomzellen nimmt in einer entzündlichen Umgebung zu. Weiter klärte sich auf, wie entzündliche Botenstoffe die Melanomzellen zur Wanderung anregen. Die Vorläufer von Pigmentzellen legen während der embryonalen Entwicklung weite Strecken entlang von Blutgefäßen im Körper zurück, um an ihren richtigen Platz in der Haut zu kommen.

Genau diese abgeschalteten Programme werden durch eine Entzündung fälschlicherweise wieder aktiviert.Erkenntnisse für neue BehandlungsstrategienJetzt lässt sich vielleicht ermitteln, warum Patienten mit oberflächlich geschwürig veränderten und von neutrophilen Granulozyten durchsetzten Melanomen besonders häufig Organmetastasen entwickeln.

Die Forscher hoffen, neue Therapien zu entwickeln, die in Signalkaskaden der Entzündung eingreifen und die Wanderung von Melanomzellen auf Blutgefäßoberflächen hemmen.

Nach Vorhersagen des Robert Koch-Instituts erkranken 2014 etwa 20.000 Menschen in Deutschland an einem schwarzen Hautkrebs, auch malignes Melanom genannt. Mehr als 2.500 Betroffene werden an Tochtergeschwülsten in inneren Organen sterben. (eb)

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