Ärzte Zeitung, 02.11.2015

Hautkrebs

Nur mit verdächtigen Muttermalen zum Screening?

Müssen Teilnehmer am Screening auf Hautkrebs wirklich von Kopf bis Fuß untersucht werden? Belgische Dermatologen haben eine Alternative hierzu getestet - mit ganz guten Ergebnissen.

Von Robert Bublak

Nur mit verdächtigen Muttermalen zum Screening?

Hautkrebsscreening: In Deutschland konnte durch die Maßnahme die Sterblichkeit nicht gesenkt werden.

© 35007 / iStock

GENT. Das deutsche Hautkrebsscreening ist seit einigen Monaten ins Gerede gekommen.

Teuer und nutzlos sei die Maßnahme, berichtete das ARD-Magazin "Kontraste" und bezog sich dabei auf ein Gutachten, das dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorliegen soll.

Zwar seien etwa 25 Prozent mehr Diagnosen gestellt worden, aber die Sterblichkeitsrate sei nicht gesunken.

Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen sieht das allerdings anders. Vorstandssprecher Ralph von Kiedrowski argumentierte mit der steigenden Erkrankungsrate. Eine gleichbleibende Sterblichkeit bei erhöhter Inzidenz sei kein negatives Signal, sagte der BVDD-Sprecher.

Ein belgisches Forscherteam um die Dermatologin Isabelle Hoorens von der Universität Gent hat nun geprüft, ob sich ein alternatives Verfahren als Screeningmethode eignet (JAMA Dermatol 2015, online 14. Oktober).

Hierzu wurden gut 9000 Erwachsene in Ostflandern zu einem läsionsorientierten Screening (LOS) eingeladen. Zur Untersuchung erscheinen sollten Personen, die ein verdächtiges Mal aufwiesen.

Detektionsraten annähernd gleich

Laut Definition waren das Hautveränderungen, die gemäß ABCD-Regel als auffällig gelten, als "hässliches Entlein" (suspekt im Vergleich zum vorherrschenden Typ von Malen) imponieren, neu aufgetreten sind und länger als vier Wochen bestehen oder gerötet sind und nicht abheilen. Eine Kontrollgruppe von ebenso vielen Personen wurde zum klassischen Ganzkörperscreening (GKS) gebeten.

Die Teilnahmerate erreichte 17,9 Prozent in der GKS- und 3,3 Prozent in der LOS-Gruppe. Die Hautkrebs-Detektionsraten in beiden Gruppen unterschieden sich dabei nicht signifikant, sie lagen bei 2,3 Prozent (GKS) beziehungsweise 3,2 Prozent (LOS).

Meist handelte es sich um Basalzellkarzinome. Umgerechnet auf die Zahl der Eingeladenen wurden beim GKS-Screening mehr Hautmalignome entdeckt (0,4 vs. 0,1 Prozent unter LOS).

Das LOS ging mit rund 41 Sekunden Zeitaufwand im Vergleich rascher vonstatten als das GKS, für das 232 Sekunden benötigt wurden.

Im Unterschied zum deutschen Screening, an dem auch entsprechend geschulte Hausärzte beteiligt sind, wurden die Untersuchungen in der belgischen Studie nur von Dermatologen vorgenommen.

Damit erklärt sich für die Forscher jedenfalls zum Teil, weshalb ihre Detektionsraten (2,3 beziehungsweise 3,2 Prozent) deutlich höher lagen als die in deutschen Studien errechneten (0,8 Prozent).

Nur in Obhut von Dermatologen

Grundsätzlich halten die Belgier das LOS bei langen Wartelisten und schmalen Budgets für eine akzeptable Alternative zum GKS, sofern es in der Obhut von Dermatologen liegt.

Sie verweisen darauf, dass ein an das LOS anschließendes GKS bei unauffälliger Indexläsion nur selten (0,4 Prozent in der Studie), bei suspektem Mal aber häufig (30 Prozent) zu weiteren Befunden führt. Daher sei ein GKS vermutlich vor allem in solchen Fällen indiziert.

Allerdings sei es wichtig, die Teilnahmerate am LOS und damit die Gesamtzahl der entdeckten Hautmalignome zu erhöhen.

Dabei müssten Unterschiede im Bildungsgrad und im Bewusstsein für das Problem Hautkrebs bei den Eingeladenen berücksichtigt werden, um eine Benachteiligung sozioökonomisch schlechter gestellter Gruppen, wie sie gegenwärtig auftrete, zu vermeiden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Hautkrebsscreening "light"?

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