Ärzte Zeitung, 09.03.2004

Start mit Irinotecan bessert die Prognose

Bei Darmkrebs zwei Dreifach-Kombinationen geprüft

BERLIN (awa). Mit den Kombinationstherapien FOLFIRI (Irinotecan/5-Fluorouracil/Folinsäure) und FOLFOX6 (Oxaliplatin/5-Fluorouracil/Folinsäure) überleben Patienten mit metastasiertem Darmkrebs länger als 20 Monate. Im Vergleich zur umgekehrten Reihenfolge blieben die Patienten mit der Sequenz FOLFIRI gefolgt von FOLFOX6 drei Monate länger progressionsfrei.

Wie Professor Claus-Henning Köhne aus Dresden beim Deutschen Krebskongreß in Berlin berichtet hat, geht dies aus den Ergebnissen einer Phase-III-Studie mit 226 Patienten hervor. Untersucht wurden die Wirksamkeit und Verträglichkeit von FOLFIRI als Erstlinientherapie gefolgt von FOLFOX6 sowie die umgekehrte Reihenfolge.

Begann die Therapie mit dem Topoisomerase-I-Hemmer Irinotecan (Campto®), waren die Patienten im Median 14,2 Monate progressionsfrei und lebten noch 21,5 Monate. Wurde zuerst mit Oxaliplatin behandelt, betrug das progressionsfreie Überleben knapp 11, das Gesamtüberleben 20,6 Monate.

Mit diesen modernen Kombinationstherapien sei die Überlebenszeit im Vergleich zu einer rein supportiven Behandlung mehr als verdreifacht, betonte Köhne bei einer Veranstaltung des Unternehmens Aventis. Die zusätzliche Applikation von Irinotecan zu 5-Fluorouracil (5-FU) plus Folinsäure (FS) habe in zwei von drei Studien ergeben, daß Irinotecan das Überleben um mehr als drei Monate verlängert im Vergleich zur alleinigen Therapie mit 5-FU plus FS.

Die unerwünschten Wirkungen von FOLFIRI und FOLFOX6 unterschieden sich, je nach Reihenfolge der Applikation. Mit Irinotecan in der Erstlinienbehandlung im Vergleich zu Oxaliplatin als erste Therapie traten signifikant weniger unerwünschte Wirkungen Grad 3 und 4 (53 versus 74 Prozent) oder schwere Neutropenien (24 versus 44 Prozent) auf und gar keine Neurotoxizitäten (0 versus 34 Prozent). Die Rate an schweren Diarrhöen unterschied sich nicht signifikant.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »