Forschung und Praxis, 30.07.2004

Bei fortgeschrittenem Darmkrebs ist Cetuximab eine Therapieoption

Drei Viertel aller kolorektalen Karzinome im fortgeschrittenen Stadium exprimieren verstärkt den Epidermal Growth Factor Receptor (EGFR). Dabei korreliert die Stärke der EGFR-Synthese meist mit einem schlechten Ansprechen auf die Therapie.

Dies sagte Professor Hansjochen Wilke vom Klinikum Essen bei einer Veranstaltung des Unternehmens Merck KGaA in München aus Anlaß der Zulassung von Cetuximab (Erbitux®) zur Therapie bei fortgeschrittenem kolorektalen Karzinom in Kombination mit einer Irinotecan-haltigen Chemotherapie.

Cetuximab bindet direkt am EGF-Rezeptor

Cetuximab ist der erste monoklonale Antikörper, der am EGF-Rezeptor ansetzt. Er verhindert die Bindung der Wachstumsfaktoren an den Rezeptor und unterbricht die Signalwege für Wachstum und Zellteilung. Zugleich aktiviert Cetuximab den intrazellulären Abbau der Rezeptoren und hemmt die Gefäßneubildung und die Metastasenbildung.

In der BOND-Studie (Bowel Oncology with Cetuximab Antibody) wurde bei Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom unter einer kombinierten Behandlung mit Irinotecan und Cetuximab bei fast 56 Prozent eine Remission oder ein Krankheitsstillstand erreicht. In die Studie waren nur Patienten aufgenommen worden, bei denen Irinotecan nicht mehr wirkte. Cetuximab habe damit offenbar das Potential, resistente Tumorzellen wieder für eine Chemotherapie empfindlich zu machen, sagte Wilke.

Verdoppelung der Überlebenszeit bei Kopf-Hals-Tumoren

Auch bei Bronchial-, Uterus-, Zervix- und Ösophaguskarzinomen, Kopf- und Halstumoren sowie Gliomen werde EGFR sehr häufig exprimiert und sei daher ein wichtiger Angriffspunkt für eine zielgerichtete Krebstherapie, betonte Wilke.

Eine der "aufregendsten Neuigkeiten" beim ASCO, so Wilke, seien die Ergebnisse einer Phase-III-Studie mit Cetuximab bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren gewesen. Die Studie ergab, daß sich die mittlere Überlebenszeit durch die zusätzliche Gabe von Cetuximab verglichen mit einer alleinigen Strahlentherapie von 28 auf 54 Monate nahezu verdoppelt.(sto)

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