Ärzte Zeitung, 15.02.2005

Antikörper ist neuer Standard bei kolorektalem Karzinom

Mit Bevacizumab behandelte Patienten leben im Mittel fünf Monate länger / Antikörper als Teil einer Kombinationstherapie zugelassen

FRANKFURT/MAIN (nsi). Der Antikörper Bevacizumab (Avastin®) ist jetzt europaweit für die Erstlinien-Therapie von Patienten mit metastasiertem Kolon- und Rektumkarzinom zugelassen worden.

In Deutschland gilt diese Zulassung für die Kombination von Bevacizumab mit intravenös verabreichtem 5-Fluorouracil/Folinsäure (5-FU/FS) oder für die Kombination mit 5-FU/FS plus Irinotecan.

"Wir hoffen, daß es in Deutschland zusätzlich bald eine Zulassung für die Kombination von Bevacizumab mit 5-FU/Folinsäure plus Oxaliplatin (FOLFOX) geben wird", sagte Professor Hans-Joachim Schmoll von der Klinik der Universität in Halle an der Saale bei der Einführungspressekonferenz in Frankfurt am Main.

Das FOLFOX-Regime ist in den USA Standard für die Erstlinien-Therapie bei kolorektalem Karzinom. "Die Verlängerung der mittleren Überlebenszeit der Patienten um fünf Monate durch die Zugabe von Bevacizumab ist ein für die klinische Onkologie überwältigendes Ergebnis", kommentierte Schmoll die Daten der Zulassungsstudie.

Darin waren 813 Patienten mit unbehandeltem, metastasiertem kolorektalen Karzinom randomisiert worden in einen Arm, der Irinotecan, 5-Fluoro-Uracil, Leucovorin und Placebo erhielt. In der Verumgruppe bekamen die Probanden statt Placebo alle zwei Wochen Bevacizumab (5 mg/kg Körpergewicht). Das progressionsfreie Überleben lag in der Placebogruppe im Mittel bei 6,24 Monaten, in der Verumgruppe, wie berichtet, bei 10,6 Monaten.

Nach Angaben von Schmoll das wichtigste Ergebnis: Im Therapie-Arm überlebten die Patienten im Durchschnitt 20,3 Monate, im Placebo-Arm nur 15,6 Monate. "Der Überlebensvorteil von fünf Monaten blieb auch erhalten für die Patienten, die nach der Verum-Behandlung in der Zulassungsstudie eine Oxaliplatin-haltige Second-line-Therapie erhielten", sagte Schmoll. Das durchschnittliche Überleben habe bei diesen Patienten 25 Monate betragen. Die Therapie mit dem monoklonalen Antikörper sei sehr sicher.

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