Ärzte Zeitung, 21.03.2005

KOMMENTAR

Persönliches statt statistisches Risiko

Von Gabriele Wagner

Heidelberger Chirurgen und Pathologen um Dr. Moritz Koch und Dr. Peter Kienle haben erstmals belegt, daß man mit einem Test auf Krebszellen im Blut oder Knochenmark das individuelle Rezidivrisiko nach Resektion von Lebermetastasen bei Darmkrebs bestimmen kann. Zwar ist die Studie mit 37 Patienten klein. Aber mit ihrer Untersuchung haben die Kollegen etwas geschafft, worauf viele Ärzte und Betroffene schon lange warten: Der einzelne Mensch tritt aus der Masse heraus, und sein persönliches Risiko wird aus dem allgemeinen Rauschen der Statistik herausgelöst.

Wirklich verwunderlich ist es natürlich nicht, daß jemand mit Krebszellen im Blut oder Knochenmark ein Rezidiv bekommt. Das ergab auch die Heidelberger Studie. Aber: Mit dem Test, der eine Tumorzelle unter 107 gesunden Zellen aufspürt, kann man jetzt viel genauer als bisher vorhersagen, wer mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Rezidiv bekommt.

Und das kann ein wichtiges Argument bei der Entscheidung sein, ob jemand eine adjuvante Chemotherapie bekommen soll oder nicht. Für die weitere Therapie nach Resektion von Kolonkarzinom-Metastasen in der Leber ist das besonders interessant: Dafür gibt es bislang noch keine etablierten Behandlungs-Regime.

Lesen Sie dazu auch:
Jetzt gibt ein Test Hinweis aufs persönliche Krebsrezidiv-Risiko

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »