Ärzte Zeitung, 11.04.2005

Inoperable Patienten profitieren von Lebermetastasen-Ablation

Minimal-invasiver Eingriff mit Radiofrequenz-Ablation / In einer US-Studie mit 135 Patienten konnte die Überlebenszeit verdoppelt werden

CLEVELAND (gwa). Patienten mit Lebermetastasen eines Kolonkarzinoms, die keine Metastasenoperation bekommen können, profitieren von einer Radiofrequenz-Ablation (RFA) der Metastasen. Und zwar auch dann, wenn sie weitere Metastasen in anderen Organen haben, und auch, wenn sie in schlechtem Allgemeinzustand sind.

Im Vergleich mit historischen Chemotherapie-Studien konnte in einer aktuellen Studie mit RFA die mediane Überlebenszeit verdoppelt werden (von 14 auf 29 Monate). Das belegten Dr. Eren Berber von der Cleveland Clinic Foundation im US-Bundesstaat Ohio und seine Kollegen.

Sie nahmen 135 Patienten mit Lebermetastasen eines Kolonkarzinoms in ihre prospektive Studie auf (J Clin Oncol 23, 2005, 1358). 80 Prozent der Teilnehmer hatten zuvor eine Chemotherapie erhalten, auf die vier von fünf Patienten nicht angesprochen hatten. 30 Prozent der Studienteilnehmer hatten zusätzlich auch Metastasen in anderen Organen, etwa in para-aortalen Lymphknoten oder in der Lunge.

Den 135 Patienten konnte man die chirurgische Resektion der Lebermetastasen, den derzeitigen Goldstandard, nicht anbieten, etwa weil sie aufgrund anderer Krankheiten nicht operationsfähig waren. Deshalb wurden die Lebermetastasen bei einem minimal-invasivem Eingriff mit Radiofrequenz (RF) nekrotisiert.

Dabei wurde über ein Laparoskop eine RF-Sonde in einer Metastase plaziert. Hochfrequenz-Wellen um 400 MHz erzeugten im Tumor Hitze, die die Metastase koagulierte. Weitere Lebermetastasen wurden nacheinander auf diese Weise koaguliert. Im Mittel hatte jeder Patient drei Metastasen (ein bis zwölf). Eventuell vorhandene Metastasen in anderen Organen wurden nicht abladiert.

Ergebnis: In einem Vergleich mit Studien aus früheren Jahrzehnten, bei der Patienten nur eine Chemotherapie bekommen hatten, konnte die mediane Überlebenszeit verdoppelt werden - von etwa 14 auf 29 Monate.

Auch Zahl und Größe der Metastasen bestimmte die Prognose: Patienten mit bis zu drei Lebermetastasen lebten im Median 29 Monate (mehr als drei Metastasen: 22 Monate). Hatte die größte Metastase einen Durchmesser von unter 3 cm, betrug die mediane Überlebenszeit 38 Monate (3 bis 5 cm: 34 Monate; über 5 cm: 21 Monate). Keinen statistisch faßbaren Einfluß auf die Überlebenszeit hatten Metastasen in anderen Organen oder eine vorherige Chemotherapie. Die RFA wurde gut vertragen.

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