Ärzte Zeitung, 10.01.2006

Düsseldorfer Verein prüft sechs Stuhltests in einer Studie

Noch 2006 sollen die Ergebnisse vorliegen / Mindestens 1000 Stuhlproben werden untersucht / Niedergelassene Gastroenterologen beteiligt

DÜSSELDORF (iss). Der Verein "Düsseldorf gegen Darmkrebs" will Transparenz bei der Qualität von Stuhltests zur Darmkrebsvorsorge schaffen. In einer neuen Studie wird der Verein sechs verschiedene Tests bei mindestens 1000 Stuhlproben auf Basis vorliegender Koloskopie-Ergebnisse analysieren und bewerten.

Erst der Stuhltest, dann die Koloskopie: den zweiten Schritt scheuen viele Patienten. Foto: Klaro

Gefördert wird die Untersuchung von der Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen und der Barmer Ersatzkasse. Die Ergebnisse sollen noch im Laufe des Jahres 2006 vorliegen.

"Viele Tests, die auf dem Markt sind, sind nicht evaluiert. Es müssen Daten auf den Tisch", sagte die Studienleiterin Professor Gabriela Möslein, Chefärztin Allgemein- und Viszeralchirurgie am St. Josefs-Hospital Bochum-Linden. Möslein ist Vorsitzende des Vereins "Düsseldorf gegen Darmkrebs".

Zwar sei die Koloskopie der Goldstandard in der Diagnostik von neoplastischen Kolonerkrankungen, so Möslein. Ein großer Teil der Bevölkerung meide aber diese Früherkennungsuntersuchung. Als Alternative komme den Stuhltests eine große Bedeutung zu.

"Wenn man die Menschen nur über die Stuhltests für das Thema Vorsorge begeistern kann, dann sollen sie wenigstens die besten bekommen", betonte sie. Das Problem: Sind Tests zu sensitiv, erhalten zu viele Patienten eine nicht notwendige Darmspiegelung, sind Tests nicht sensitiv genug, werden etwa Polypen nicht rechtzeitig identifiziert.

An der Studie beteiligen sich sechs Krankenhäuser sowie niedergelassene Gastroenterologen aus dem Raum Düsseldorf. Aufgenommen werden mindestens 1000 Patienten, die eine Koloskopie bekommen, etwa zur Vorsorge, wegen eines positiven Tests auf okkultes Blut oder Bauchbeschwerden. Die Patienten bringen zur Endoskopie eine Stuhlprobe mit.

Bei jedem Patienten werden alle sechs Stuhltests - drei chromatographische, zwei immunchromatographische und ein ELISA-Test - geprüft. Die Ergebnisse werden mit den Koloskopie-Befunden und eventuell gemachten histologischen Untersuchungen verglichen.

"Wir wissen genau, was bei der Spiegelung gefunden wurde und kennen das feingewebliche Untersuchungsergebnis", sagte Möslein. Es wird dann berechnet, wie hoch die Sensitivität der Tests bezogen auf das Erkennen eines kolorektalen Karzinoms oder eines Polypen ist.

"Wir möchten Patienten raten können, welcher Stuhltest am effektivsten ist", sagte Professor Hans Georg Bender, Vorstandsvorsitzender der Krebsgesellschaft NRW. Gerade bei Dickdarmkrebs gebe es gute Möglichkeiten der Früherkennung und der Vorsorge. Dabei seien Stuhltests von entscheidender Bedeutung. Immer neue freiverkäufliche Testsysteme kämen auf den Markt. "Sie müssen evaluiert und auf ihre Aussagefähigkeit überprüft werden", sagte Bender.

Auch Dr. Rüdiger Meierjürgen, Leiter des Bereichs Prävention und Gesundheitsförderung bei der Barmer, sieht die Studie als Beitrag zu einer höheren Qualität. "Unser gemeinsames Ziel muß es sein, in der Krebsfrüherkennung die Spreu vom Weizen zu trennen", sagte er.

Zur Zeit übernehmen die Kassen nur die Kosten des Schnelltests auf okkultes Blut. "Die Ergebnisse könnten Hinweise geben, ob wir die Früherkennungsrichtlinien ändern müssen." Auf jeden Fall sei es wichtig, Versicherte, Ärzte und Apotheker über Testergebnisse zu informieren. "Es ist sinnvoll, Transparenz auf den Markt zu bringen", betont Meierjürgen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Luftschadstoffe beeinträchtigen viele Organsysteme

Die Lunge gilt zwar als Eintrittspforte für Schadstoffe aus der Luft, kurz- und langfristige Gesundheitsschäden scheinen jedoch vor allem im Herzkreislaufsystem aufzutreten. mehr »

Für die Union ist Substitution von Ärzten kein Tabu

Nichtärztliche Gesundheitsberufe sollen stärker in die Versorgung eingebunden werden, fordert die Union. Ärztepräsident Montgomery benennt die Fallstricke für solche Pläne. mehr »

Frühe ART wirkt protektiv

Die frühe antiretrovirale Therapie (ART) schützt HIV-Patienten vor schweren bakteriellen Infektionen. mehr »