Ärzte Zeitung, 31.03.2006

Bei Kolorektal-Ca ist Antikörper oft indiziert

Angiogenese-Hemmer als Zusatz zur Standardtherapie

BERLIN (ugr). Der Angiogenese-Hemmer Bevacizumab, ein Antikörper, ist für beinahe alle Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom geeignet.

Selbst bei älteren Rheumakranken mit Darmkrebs, die potentiell gefährdet sind, mit Bevacizumab eine Perforation des Darms zu erleiden, sei der Nutzen des Medikaments größer als ein möglicher Schaden. Diese Ansicht vertrat Dr. Axel Grothey von der Mayo Klinik in Rochester im Staat New York beim Krebskongreß in Berlin.

"In den USA hat sich die Kombination Bevacizumab plus konventionelle Zytostatika fest als Standard in der Ersttherapie bei fortgeschrittenem Kolonkarzinom etabliert", sagte Grothey auf einer vom Unternehmen Hoffmann-La Roche ausgerichteten Veranstaltung.

Er selbst habe in den vergangenen zwei Jahren nur drei Patienten den Angiogenese-Hemmer (Avastin®) nicht verschrieben, weil er unerwünschte Wirkungen befürchtet habe. In Deutschland erfolge die Verordnung des Wirkstoffs dagegen eher zurückhaltend.

Annähernd jeder zweite Patient spricht auf die Kombination von 5-FU/Folinsäure und Irinotecan mit Bevacizumab an. Durchschnittlich leben die so behandelten Patienten fast fünf Monate länger als diejenigen, die ausschließlich Zytostatika erhielten (20,3 vs. 15,6 Monate).

"Dabei war der Effekt unabhängig vom Alter der Patienten, von der Krankheitsdauer, dem Ort des Primärtumors sowie von Zahl und Lokalisation der Metastasen", erläuterte Dr. Herbert Hurwitz aus Durham im US-Staat North Carolina, der Leiter der Zulassungsstudie von Bevacizumab. Das Mortalitätsrisiko, so Hurwitz, sei in der Kombinationsgruppe um 34 Prozent geringer als in der Vergleichsgruppe gewesen.

Für Hurwitz und Grothey ist der monoklonale Antikörper ein Meilenstein in der Behandlung bei kolorektalem Karzinom. Der Hemmstoff bindet an den Blutgefäßwachstumsfaktor VEGF und hemmt damit Tumorwachstum sowie Metastasierung.

"Noch vor wenigen Jahren betrug das Gesamtüberleben zwölf Monate, heute sind die Patienten durchschnittlich genauso lange frei von Progression", bilanzierte Grothey. Wenn nur wenige Metastasen in Leber oder Lunge vorhanden sind, können sogar 25 bis 30 Prozent der Patienten geheilt werden.

Hurwitz berichtete sogar von einzelnen Patienten, bei denen alle vorangehenden Therapien versagt hatten und die sich nach Einnahme von Bevacizumab zum Teil seit fünfeinhalb Jahren bei guter Gesundheit in Remission befinden.

Der monoklonale Antikörper ist seit Januar 2005 für die Erstbehandlung zusätzlich zur Standard-Chemotherapie zugelassen. Nach ersten Studien ist er offenbar auch beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) sowie bei Brustkrebs wirksam. Die am häufigsten beobachteten unerwünschten Wirkungen sind Hypertonie, arterielle thromboembolische Ereignisse und gastrointestinale Perforationen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »