Ärzte Zeitung, 18.07.2006

Kombitherapie verlängert Leben bei Darmkrebs

Irinotecan und Cetuximab kombiniert / Wirksam auch, wenn andere Therapien Progression nicht stoppen

BARCELONA (awa). Sprechen Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs nicht mehr auf eine Irinotecan-haltige Chemotherapie an, gibt es noch eine Option: die Kombination von Irinotecan mit dem monoklonalen Antikörper Cetuximab.

Privatdozent Markus Möhler: "Bei Darmkrebs hat Kombitherapie Vorteile." Foto: awa

Für die Zweit- und Drittlinien-Therapie von Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (MCRC) gebe es immer mehr Daten, die belegten, daß eine Standard-Chemotherapie mit neuen Substanzen, vor allem mit monoklonalen Antikörpern, gut kombinierbar sei.

Darauf hat Privatdozent Markus Möhler von der Uniklinik Mainz auf dem Weltkongreß für gastrointestinale Tumoren in Barcelona hingewiesen. Die Kombitherapie mit dem Topoisomerase-I-Hemmer Irinotecan (Campto®) plus dem monoklonalen Antikörper Cetuximab ist auch bei zuvor behandelten Patienten erfolgreich, selbst wenn ihre Erkrankung mit einer Irinotecan-Monotherapie fortgeschritten war. Das habe bereits die Zulassungsstudie mit dem Antikörper ergeben, so Möhler.

Nach drei Monaten Kombitherapie hatten 55,5 Prozent der Patienten eine partielle oder kompletten Remission, mit Cetuximab allein knapp 23 Prozent. Das Fortschreiten der Krankheit ist bei 54 oder 30 Prozent der Patienten bis zu diesem Zeitpunkt aufgehalten worden: Die Zeit bis zur Progression lag mit der Kombination bei 4,1 Monaten und das Gesamtüberleben betrug 8,6 Monate. Mit dem Antikörper allein waren es 1,5 und 6,9 Monate.

Diese Ergebnisse seien jetzt durch eine große Studie mit 1147 Patienten bestätigt worden, von denen zuvor bereits zwei Drittel mit mehr als zwei Therapien und drei Viertel mit Oxaliplatin behandelt worden waren, berichtete Möhler auf einer Veranstaltung des Unternehmens Pfizer. Hatten die Studienteilnehmer nach oder innerhalb von sechs Monten mit Irenotecan-Therapie eine Progression, erhielten zusätzlich Cetuximab .

Der primäre Endpunkt - progressionsfreies Überleben nach zwölf Wochen - war Möhler zufolge höher als erwartet: Bei insgesamt 61 Prozent der Patienten war zu diesem Zeitpunkt die Erkrankung noch nicht fortgeschritten - zehn Prozentpunkte mehr als erwartet. Im Median lebten die Patienten noch 9,2 Monate. In dieser Studie sei zudem erneut die gute Verträglichkeit der Kombination Irinotecan plus Cetuximab bestätigt worden, so Möhler.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Luftschadstoffe beeinträchtigen viele Organsysteme

Die Lunge gilt zwar als Eintrittspforte für Schadstoffe aus der Luft, kurz- und langfristige Gesundheitsschäden scheinen jedoch vor allem im Herzkreislaufsystem aufzutreten. mehr »

Kompromiss im Tauschhandel?

18:31 Kaum verkündet, war der Kompromiss zur Pflegeausbildung auch schon wieder vom Tisch. Doch jetzt soll der Koalitionsausschuss eine Einigung bringen. Offenbar bahnt sich ein Handel zwischen CDU und SPD an. mehr »

Für die Union ist Substitution von Ärzten kein Tabu

Nichtärztliche Gesundheitsberufe sollen stärker in die Versorgung eingebunden werden, fordert die Union. Ärztepräsident Montgomery benennt die Fallstricke für solche Pläne. mehr »