Ärzte Zeitung, 01.03.2007

Screening rettet Menschenleben - darum geht es im Darmkrebsmonat März

Vorsorge kostet viel weniger als Therapien / Hausärzte können am ehesten vom Screening überzeugen

Ein Drittel der Menschen in Deutschland sind von Krebsvorsorge und Untersuchungen zur Früherkennung überzeugt, ein Drittel lehnt jede Prävention kategorisch ab - und ein Drittel ist unentschlossen. "Um dieses Drittel müssen wir Ärzte uns bemühen", sagt Professor Jürgen Riemann aus Ludwigshafen. Deshalb startet heute wieder die bundesweite Aktion "Darmkrebsmonat März". Ziel ist, Menschen für das Thema Darmkrebs zu sensibilisieren und empfänglich zu machen für die Empfehlung ihrer Ärzte zu Früherkennungsuntersuchungen.

Der Darmkrebsmonat, eine Initiative der Stiftung LebensBlicke und der Felix Burda Stiftung, und von vielen Institutionen, Politikern, Sportlern und Prominenten unterstützt, lenkt den Blick auf die großen Chancen, die die Darmkrebsprävention bietet.

Noch immer gehen zu wenig Berechtigte zur Früherkennung

Noch immer nehmen zu wenig Menschen ihre Chance wahr: Nur 17 Prozent der Männer und 34 Prozent der Frauen ab 50 nahmen zum Beispiel 2002 einen kostenlosen Test auf okkultes Blut im Stuhl in Anspruch. Und seit Einführung der kostenlosen Screening-Koloskopien im Oktober 2002 für Versicherte ab dem 55. Geburtstag hat dieses Angebot bislang höchstens jeder zehnte Berechtigte wahrgenommen.

Dennoch gibt es schon Erfolge zu vermelden: Seither ist die Zahl der Darmkrebstoten gesunken, betont Riemann. Leider hat aber die Zahl der Screening-Koloskopien im vergangenen Jahr um etwa fünf Prozent abgenommen im Vergleich zu 2005, als bis 600 000 Vorsorge-Koloskopien gemacht wurden.

600 000 Screening-Koloskopien sind nicht viel, wenn man die Zahl der Berechtigten nimmt: mehr als 20 Millionen sind es. Und derzeit kommen jährlich 1,3 bis 1,5 Millionen Berechtigte hinzu, denn jetzt kommt die Baby-Boom-Generation in die Jahre. Darauf weist Dr. Dirk Wuppermann, Vorsitzender des Fördervereins der Stiftung, hin.

Doch würde es unser Gesundheitssystem nicht sprengen, wenn alle Berechtigten zum Screening gingen? Nein, sagen Riemann und Wuppermann. Denn es gehen eben ganz viele nicht. Und wenn man eine Screening-Koloskopie mit etwa 200 Euro veranschlagt, eine Behandlung bei fortgeschrittenem Darmkrebs aber das 100-fache kosten kann, sieht die Rechnung gleich ganz anders aus. Neue Daten zu ökonomischen Aspekten der Darmkrebsvorsorge gibt es übrigens bei einem mit vier Fortbildungspunkten zertifizierten Symposium am 17. März in Dresden (Anmeldung auf www.lebensblicke.de).

Eine Schlüsselstellung für die Früherkennung haben Hausärzte

Wie kann man Menschen dazu bringen, Früherkennungs-Untersuchungen zu nutzen? Einen ganz wesentlichen Anteil haben die Hausärzte: Patienten gehen noch am ehesten zu Untersuchungen, wenn ein ihnen bekannter, vertrauter und damit auch vertrauenswürdiger Arzt die Untersuchung nahelegt. Das gilt auch für Koloskopien.

Eine Möglichkeit, Patienten auf das Thema Darmkrebs aufmerksam zu machen, sind Fragebögen der Stiftung, die Patienten im Wartezimmer ausfüllen können. Gefragt wird etwa nach familiärer Belastung, Blut im Stuhl oder Rauch- und Trinkgewohnheiten. Einen solchen Fragebogen gibt es auf www.lebensblicke.de unter dem Link Download.

Zum Thema Vorbereitung zur Darmspiegelung gibt’s Neues

Eine Hürde vor der Koloskopie ist für viele Patienten nach wie vor die Vorbereitung. Oft müssen sie dafür 4 l einer abführenden Flüssigkeit trinken. Es geht aber auch mit einem 2 l-Präparat. Das Präparat Moviprep® wurde zum Beispiel in einer Untersuchung mit 359 Patienten mit der 4 l Standard-Vorbereitung verglichen. Beide Vorbereitungen waren zwar ähnlich effektiv, wie Riemann zur "Ärzte Zeitung" sagte. Aber die Patienten bevorzugten das 2 l-Präparat. Seit kurzem ist es auch in Deutschland zugelassen. (gwa)

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Elfie Wörner, Mentorin des Lebens, ist tot

Die großen Erfolge, die die 1998 gegründete Stiftung LebensBlicke schon erreicht hat, sind Menschen wie Elfie Wörner zu verdanken. Ziel der Stiftung ist es, die Zahl der Darmkrebs-Toten in Deutschland bis zum Jahr 2010 zu halbieren.

Elfie Wörner wusste, worum es bei Darmkrebs geht: Ihr Mann, der frühere Verteidigungsminister und NATO-Generalsekretär Dr. Manfred Wörner, starb 1994 daran. Für Elfie Wörner war das der Anlass, etwas für die Früherkennung zu tun. Zunächst war sie Befürworterin, später Sprecherin und Mitglied des Kuratoriums der Stiftung. Sie setzte sich für die Darmkrebs-Früherkennung ein, indem sie etwa Kontakte zu Politikern, zur Industrie und zu Sportlern und Funktionären knüpfte. Und sie machte durch persönliche Überzeugung die Menschen aufmerksam. Im Juli 2006 ist Elfi Wörner gestorben. (eb)

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