Ärzte Zeitung, 26.03.2007

Stuhltest auf Tumorenzym zur Früherkennung

Test identifiziert Patienten, die Screening-Koloskopie dringend nutzen sollten / Hohe Sensitivität und Spezifität

MÜNCHEN (wst). Ein seit drei Jahren verfügbarer Stuhltest, der die tumortypische M2-Pyruvatkinase nachweist, könnte helfen, gezielt Patienten von einer Koloskopie zu überzeugen. Die Spezifität des Tests für Neoplasien wie Polypen und Krebs im Dickdarm ist hoch.

Gestielter Polyp im Dickdarm, gefunden bei einer Koloskopie. Foto: Albertinen-Krankenhaus Hamburg, www.endoskopiebilder.de

Würden alle Menschen ab dem vollendeten 55. Lebensjahr Screening-Koloskopien nutzen, könnten Kolonkarzinome oder ihre Vorstufen fast immer bereits in heilbaren Frühstadien diagnostiziert werden. Daran hat der Gastroenterologe Professor Ulrich Klör vom Universitätsklinikum Gießen bei einer Veranstaltung in München erinnert. Die Darmkrebs-Sterblichkeit könnte damit massiv reduziert werden, betonte Klör.

Um so bedauerlicher sei es, dass seit Einführung der Screening-Koloskopie 2002 inzwischen wieder weniger Berechtigte das Angebot nutzen. Derzeit sind es nur etwa fünf Prozent, so Klör bei der vom Unternehmen ScheBo® Biotech unterstützten Veranstaltung. Kämen andererseits alle Berechtigten zur Koloskopie, so würde die derzeitige Kapazität nicht ausreichen, um einen solchen Ansturm zu bewältigen.

"Wir brauchen deshalb ein niederschwelliges, gut akzeptiertes und dennoch zuverlässiges Screening-Verfahren im Vorfeld der Koloskopie", sagte Klör. Tests zum Nachweis von Blut im Stuhl seien keine wirkliche Alternative zum M2-Pyruvatkinase-Test, da Kolonkarzinome nur unregelmäßig und oft erst in einem Spätstadium bluteten. Folglich würden damit nur 20 bis 30 Prozent dieser Karzinome erkannt.

Mit einer Sensitivität von 92 Prozent bei Kolonkarzinomen und 60 Prozent für Dickdarmpolypen bei einem Polypen-Durchmesser über 1 cm (25 Prozent bei einem Durchmesser unter 1 cm) sei dagegen der M2-PK™-Stuhltest weitaus zuverlässiger, so Klör. Er funktioniert unabhängig davon, ob der Tumor oder seine Vorstufen bluten. Denn die mit dem Test nachgewiesene M2-Pyruvatkinase im Stuhl wird aus neoplastischen Geweben verstärkt freigesetzt. Die Spezifität liege bei 92 bis 95 Prozent und sei damit hoch genug, um jedem positiv getesteten Patienten dringlichst eine Koloskopie anzuraten.

Nicht erkannt werden mit dem Test Tumoren im distalen Rektum. Hier sei die Kontaktzeit mit dem Stuhl zu kurz. Zudem sei der Stuhl meist zu fest, sodass er nicht homogen genug und mit ausreichenden Mengen von M2-Pyrovatkinase durchmischt werden kann. Die rektale digitale Austastung ist deshalb auch beim Einsatz des neuen Tests ein grundsätzliches Muss, betonte Klör. Der Test ist eine Selbstzahlerleistung und kostet um 28 Euro.

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