Ärzte Zeitung, 14.05.2007

Experten fordern einheitliche Darmkrebsprävention in der EU

Sterblichkeitsrate in Deutschland liegt bei 38 Prozent / Gute Heilungschancen bei rechtzeitiger Diagnose / Screening-Programme nur in 15 Ländern

BRÜSSEL (spe). Wissenschaftler und Mediziner aus ganz Europa fordern, europaweit einheitliche und qualitätsgesicherte Maßnahmen zur Früherkennung von Darmkrebs (CRC) einzuführen.

Stuhlproben zur Analyse - in vielen Ländern kommen Tests auf okkultes Blut zur Anwendung. Foto: Labor Enders

Auf der "Europäischen Konferenz zur Darmkrebsprävention" in Brüssel verabschiedeten die Teilnehmer eine entsprechende Deklaration.

In der Bundesrepublik ist die Sterblichkeit nach Angaben der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. zwar seit Mitte der 70er Jahre rückläufig. Dennoch beträgt sie immer noch etwa 38 Prozent. Dabei sei Darmkrebs bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung grundsätzlich heilbar, heißt es in der Brüsseler Erklärung.

Dass es in Europa immer noch viele Defizite bei der Darmkrebs-Prävention gibt, liegt auch daran, dass nicht alle Länder Screening-Maßnahmen anbieten. Dort, wo es entsprechende Programme gibt, werden sie wiederum nicht immer von der Bevölkerung ausreichend wahrgenommen.

Auch variiert die Qualität der angebotenen Früherkennungsuntersuchungen. Das geht aus einer aktuellen Befragung der nationalen Gastroenterologen-Verbände in 39 europäischen Ländern hervor. "Leitlinien für Vorsorgemaßnahmen existieren nur in 21 Ländern", berichtete Professor Meinhard Classen vom Deutschen Netzwerk gegen Darmkrebs. Nur 15 Staaten würden zusätzlich Screening-Programme anbieten.

Viele Länder setzten dabei lediglich auf Tests auf okkultes Blut im Stuhl (FOBT). Andere Staaten, darunter sind auch Deutschland, Österreich, Luxemburg, Polen und Italien wendeten zusätzlich endoskopische Maßnahmen wie die Koloskopie und Sigmoidoskopie an. Die Experten forderten daher die Europäische Kommission auf, darauf zu drängen, dass die EU-Länder die bereits 2003 verabschiedeten Empfehlungen zur Einführung von Früherkennungsuntersuchungen auf nationaler Ebene endlich umsetzen. Bislang ist nur knapp die Hälfte der Staaten der Aufforderung der Kommission gefolgt.

Jaroslaw Waligóra von der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucherschutz kündigte zudem an, dass die EU-Kommission 2009 evidenzbasierte europäische Leitlinien für das CRC-Screening vorlegen wolle.

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