Ärzte Zeitung, 03.03.2008

Blick in die Zukunft

Sanfte Techniken sollen Hemmschwelle senken

Virtuelle CT- und MR-Koloskopie, Kolonkapsel und computergelenkte Verfahren stehen schon auf dem Prüfstand

In einer Umfrage gaben 40 Prozent der Gesprächspartner an, vor der Koloskopie Angst zu haben. Um die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge zu erhöhen, suchen Forscher nach neuen Techniken, die den Patienten akzeptable Untersuchungsbedingungen bieten.

 Sanfte Techniken sollen Hemmschwelle senken

Mit der virtuellen CT-Koloskopie werden nach Zwischenergebnissen einer Münchner Studie etwa 90 Prozent der Polypen über 6 mm entdeckt (Sensitivität). Auch eine Ludwigshafener Pilotstudie zur MR-Koloskopie brachte gute Resultate: Nach Aussage von Professor Jürgen Riemann lassen sich damit Polypen ab 5 mm ebenso sicher finden wie mit herkömmlicher Koloskopie.

Mittlerweile gibt es außerdem neue invasive Verfahren, die arm an Komplikationen sind und den Patienten kaum Beschwerden verursachen. Dadurch erübrigt sich zwar eine Sedierung, die Darmreinigung allerdings ist nach wie vor unumgänglich, Biopsien oder Polypektomien sind nicht möglich. Bereits zugelassen - seit Anfang 2007 - ist die Kolonkapsel PillCamTM Colon.

 Sanfte Techniken sollen Hemmschwelle senken

Die Kolonkapsel: Eine winzige Kamera an jedem Ende filmt das Innere des Darms.

Foto: Riemann, Klinikum Ludwigshafen

Dieses ein Zentimeter breite und drei Zentimeter lange Mini-U-Boot besitzt am Vorder- und Hinterende je eine winzige Kamera. Es wird geschluckt wie eine Pille, liefert pro Sekunde vier Bilder, während es durch den Darm gleitet, und wird binnen zehn Stunden wieder ausgeschieden. Die Patienten können sich mit dem am Bauch befestigten Zusatzteilen - Datenrekorder, Sensoren und Batterie - ungehindert bewegen, müssen freilich die Kosten von 600 Euro selbst zahlen. Den Arzt kostet die Auswertung des Videos etwa eine Dreiviertelstunde Zeit.

Vier Studien mit insgesamt 255 Patienten gibt es inzwischen zur Kolonkapsel, darunter eine europäische Multicenter-Studie, für die erste Ergebnisse vorliegen. Demnach werden, unabhängig von ihrer Größe, 76 Prozent der Polypen entdeckt.

Das in Ludwigshafen mitentwickelte NeoGuide Endoscopy System® passt sich computergesteuert dem Verlauf der Darmschlingen an. Sobald der Arzt den Schlauch eingeführt hat, erstellt es eine dreidimensionale Karte des Kolons. Diesen Weg nimmt die Spitze automatisch, ihr nach folgt das aus vielen einzeln lenkbaren Segmenten aufgebaute Endoskop. Der Vorteil: Das Kolon wird weniger verschoben, umliegendes Gewebe weniger gedehnt als durch konventionelle Geräte.

Eine weitere Neuerung ist das sich selbst navigierende Aer-O-Scope, das aus zwei Ballons besteht. Der eine ist fest im Rektum platziert, der zweite mit dem Endoskop davor. Nach dem Aufblasen treibt ihn eingeleitetes CO2 als Vehikel durchs Kolon, während die Kamera mit 360°-Rundsicht die Wände abfilmt. Durch Umkehren des Gasdrucks und sanftes Ziehen gelangt er wieder nach draußen. (ars)

 Machen Sie Ihre Patienten jetzt auf Chancen der Darmkrebs-Vorsorge aufmerksam!

Die "Ärzte Zeitung" bietet exklusiv für Ärzte einen besonderen Service zum Darmkrebsmonat: ein kostenloses Poster fürs Wartezimmer.
Das Poster kann angefordert werden per Fax (06102 / 50 64 41 48) oder per E-Mail: Vertrieb@aerztezeitung.de

Exklusiv für Ärzte! Drucken Sie Informationen zur Darmkrebs-Früherkennung für Ihre Patienten und fürs Wartezimmer aus.

Die Informationen zu Ausdrucken gibt es hier  »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »