Ärzte Zeitung online, 10.11.2008

Die virtuelle Koloskopie steht dem realen Verfahren nur wenig nach

MÜNCHEN (wst). Eine hochwertige Ausstattung und einen gastroenterologisch geübten Radiologen vorausgesetzt, ist die CT-gestützte virtuelle Koloskopie zum Aufspüren von Krebsvorstufen im Dickdarm fast genauso zuverlässig wie die konventionelle Koloskopie.

Dieses Ergebnis der Münchner Darmkrebsstudie hat Dr. Anno Graser vom Universitätsklinikum München-Großhadern auf einer Veranstaltung in München vorgestellt. Die 307 Teilnehmer - 139 Frauen und 168 Männer im mittleren Alter von 60,5 Jahren - hatten weder Symptome einer Darmerkrankung noch eine familiäre Belastung für Darmkrebs. Bei allen Probanden wurden nach einer Darmreinigung am gleichen Tag sowohl eine CT-Kolonographie (virtuelle Koloskopie) als auch eine komplette konventionelle Koloskopie vorgenommen.

Insgesamt wurden mit beiden Untersuchungen zusammen 511 Polypen bei 197 der 307 Patienten entdeckt. Diese Polypen teilten sich histologisch auf in 290 Nichtadenome ohne Entartungsrisiko und 221 Adenome, von denen 46 in einem fortgeschrittenerem Stadium waren, darunter ein Karzinom.

Für die reale Koloskopie errechneten die Wissenschaftler um Graser zum Aufspüren der Adenome jeglicher Größe (n=113) eine Sensitivität von 97,3 Prozent. Die virtuelle Koloskopie kam hier auf eine Sensitivität von 84,1 Prozent. Bei Adenomen ab einer interventionsbedürftigen Größe von 6 mm (n=46) und bei Adenomen von mindestens 10 mm Durchmesser (n=27) erreichte die reale Koloskopie eine Sensitivität von 97,8 und 100 Prozent, die virtuelle Koloskopie eine Sensitivität von immerhin 91,3 und 92 Prozent. Speziell Hochrisikopatienten mit histologisch fortgeschrittenen präkanzerösen Neoplasien (n=30) wurden durch die Koloskopie zu 100 Prozent und durch die virtuelle Alternative zu 96,7 Prozent entdeckt.

Trotz der guten Ergebnisse sehen die Großhadener Wissenschaftler die CT-gestützte virtuelle Koloskopie aber nicht als künftige Konkurrenz zur realen Koloskopie, sondern als noninvasive Ergänzung, die mehr Patienten als bisher als Darmkrebsvorsorge akzeptieren.

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