Ärzte Zeitung online, 30.12.2008

Impfung mit veränderten Tumorzellen bei Patienten mit Kolonkarzinom erfolgreich

BERLIN/HEIDELBERG (ner). Bei Patienten mit Kolonkarzinomen und Lebermetastasen verlängert eine aktiv-spezifische Immunisierung mit einer Virus-behandelten Tumorzellsuspension die Gesamtüberlebenszeit sowie die Metastasen-freie Zeit. Bei Rektalkarzinom dagegen hat die Immunisierung keine Vorteile, berichten Onkologen aus Berlin und Heidelberg.

Es sind sehr häufig die Lebermetastasen, die bei Patienten mit kolorektalem Karzinom trotz kompletter Resektion bald rezidivieren und die Überlebenszeiten deutlich verkürzen. In einer Phase-II-Studie hatten Professor Volker Schirrmacher aus Heidelberg und seine Kollegen bereits 1992 festgestellt, dass Lebermetastasen-Rezidive deutlich seltener auftraten (61 versus 87 Prozent), wenn nach der Operation eine adjuvante Immunisierung erfolgt war.

Dazu benutzten sie autologe Tumorzellen, die mit einem nicht lytischen und niedrig pathogenen Stamm des Newcastle Disease Virus (NDV) infiziert worden waren. In vitro führt dies unter anderem zu einer verbesserten Interaktion zwischen Tumor- und T-Zellen und zu weiteren Immunreaktionen. Letztlich wird die zytotoxische Wirkung von T-Zellen, Makrophagen und Monozyten verstärkt und es werden vermehrt bestimmte Zytokine gebildet.

Vor diesem Hintergrund war das Resultat einer Phase-III-Studie mit 50 Patienten zunächst enttäuschend. Dr. Tobias Schulze von der Charité Berlin und seine Kollegen hatten diesen Patienten mit kolorektalen Karzinomen 2 bis 3 Wochen nach chirurgischer Entfernung der Lebermetastasen randomisiert die spezifische Vakzine intradermal in den Unterarm oder eine wirkungslose Spritze (Kontrollgruppe) verabreicht, jeweils zusätzlich zur üblichen Krebstherapie. Die Impfung war in bestimmten Abständen mehrfach wiederholt worden (Cancer Immunol Immunother online*).

Nach durchschnittlich 9,5 Jahren unterschieden sich in der Studienpopulation weder die Raten der Metastasenrezidive noch das Gesamtüberleben. Betrachteten die Onkologen jedoch nur die Kolon-Ca-Patienten, kam ein deutlicher Unterschied zugunsten der Geimpften heraus: Vier von 13 Patienten (31 Prozent) starben im Studienzeitraum in der Vakzinationsgruppe, 9 von 14 Patienten (79 Prozent) in der Kontrollgruppe. Auch die krankheitsfreie Zeit war in der Verumgruppe deutlich verlängert, die metastasenfreie Überlebenszeit war ebenfalls signifikant länger. Dagegen gab es bei den 23 Studienteilnehmern mit metastasiertem Rektumkarzinom keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Ursachen für die verschiedene Wirkung der Vakzine bei den Tumorentitäten sind noch weitgehend unklar.

Abstract der Studie "Efficiency of adjuvant active specific immunization with Newcastle disease virus modified tumor cells in colorectal cancer patients following resection of liver metastases: results of a prospective randomized trial"

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