Ärzte Zeitung online, 01.07.2009

Dickdarmkrebs: Genetischer Fingerabdruck für Metastasierung identifiziert

BERLIN (eb). Forscher des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Charité haben 115 Gene identifiziert, die bei Dickdarmkrebs sowohl im Ursprungstumor als auch in dessen Metastasen verändert sind. Ihre Ergebnisse könnten in Zukunft helfen, Patienten mit aggressiven Tumoren früher zu erkennen.

Tumorzellen im Zellverband.

Foto: Johannes Fritzmann/Copyright: MDC

Um zu untersuchen, welche genetischen Veränderungen die Bildung von Metastasen bei Dickdarmkrebs begünstigen, analysierten die Forscher 150 Gewebeproben von Darmkrebs-Patienten mit und ohne Metastasen (Gastroenterology 137:1, 2009, 165). Die Forscher identifizieren 115 Gene, die sowohl in den Ursprungstumoren als auch in ihren Metastasen falsch reguliert sind. Damit ist es gelungen, eine genetische Signatur zu ermitteln, die Tumore mit Metastasenbildung von den Tumoren unterscheidet, die nicht streuen.

Von den 115 Genen, die die Wissenschaftler identifiziert hatten, untersuchten sie ein Gen genauer: BAMBI. Sie stellten fest, dass dieses Gen in metastasierenden Tumoren und Metastasen aktiver ist als in Tumoren, die keine Metastasen bilden. "Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass BAMBI zwei wichtige Signalwege verknüpft und dadurch die Metastasenbildung fördert", sagt der Chirurg Dr. Johannes Fritzmann. "Diese Signalwege (Wnt- und TGF-beta) sind unter anderem im heranwachsenden Embryo von Bedeutung." In Zukunft wollen die Forscher auch die Rolle der anderen 114 Gene näher untersuchen, um die einzelnen Schritte der Metastasenbildung besser zu verstehen.

Durch Bambi veränderte Tumorzellen, die sich voneinander lösen (die rote Färbung zeigt das Zellskelett, die blaue den Zellkern).

Foto: Johannes Fritzmann/Copyright: MDC

Die Forschungsergebnisse könnten helfen, früh herauszufinden, ob ein Tumor Metastasen bilden wird oder nicht. Die Ärzte könnten dann die weitere Therapie entsprechend anpassen.

An Dickdarmkrebs, nach dem Lungenkrebs die zweithäufigste Todesursache unter den Krebserkrankungen, sterben in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts jährlich mehr als 25 000 Menschen. Er geht aus den Drüsen der Dickdarmschleimhaut hervor und bleibt im Anfangsstadium häufig unentdeckt.

Metastasen entstehen, wenn sich einzelne Zellen vom Ursprungstumor ablösen und über das Blutsystem oder die Lymphbahnen andere Körperregionen erreichen. Beim Dickdarmkrebs siedeln sie sich meist in der Leber, der Lunge oder den Lymphknoten an. Da betroffene Patienten anfangs selten Schmerzen oder andere Symptome zeigen, wird der Tumor häufig erst entdeckt, wenn er bereits Metastasen gebildet hat.

Zum Abstract der Originalarbeit "A Colorectal Cancer Expression Profile that IncludesTransforming Growth Factor ß Inhibitor BAMBI Predicts Metastatic Potential"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »