Samstag, 11. Februar 2012
Ärzte Zeitung online, 05.02.2010

Trüber Apfelsaft und sogar Bier enthalten krebspräventive Stoffe

HEIDELBERG (bd). Regelmäßiger Konsum von Äpfeln oder Apfelsaft reduziert möglicherweise das Risiko etwa für Darmkrebs. Das geht aus den Ergebnissen epidemiologischer Studien hervor. Aber auch Bier enthält offenbar krebshemmende Substanzen.

Trüber Apfelsaft und sogar Bier enthalten krebspräventive Stoffe

Trüber Apfelsaft und Apfelextrakte senkten im Tierversuch die Darmkrebsrate um die Hälfte. © seite3 / fotolia.com

Erforscht hat diesen Zusammenhang auch die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Clarissa Gerhäuser aus Heidelberg. Die Forscherin hat unter den Apfelsaft-Polyphenolen die oligomeren Procyanidine - vor allem als Inhaltsstoff von Schokolade bekannt - als wichtigste darmkrebspräventive Substanzklasse identifiziert. Über das Potenzial dieser Substanzen hat sie bei einer Veranstaltung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg berichtet. So gelang mit trübem Apfelsaft und Apfelsaftextrakt im Tiermodell für Darmkrebs eine bis zu 50prozentige Verringerung der Krebsinzidenz.

Durch die Untersuchung der Stuhlproben von Probanden konnte zudem nachgewiesen werden, dass die zu den Flavonoiden zählenden Procyanidine auch nach der Passage durch den Magen-Darm-Trakt noch antioxidativ wirken und den Dickdarm erreichen. Anhand von Fäzeswasser-Proben wurde schließlich festgestellt, dass nach dem Konsum von Apfelsaft für vier Wochen die antioxidative Kapazität im Darm steigt. Werde der oxidative Stress im Darm verringert, sinke auch das Krebsrisiko, vermutet Gerhäuser.

Krebsforscher überprüfen darüber hinaus die präventive Wirkung von Hopfen. Können Inhaltsstoffe von Hopfen das Brustkrebsrisiko senken? Tatsächlich hat in vitro der Wirkstoff Xanthohumol, der in sehr geringer Konzentration im Bier vorhanden ist (0,1mg pro Liter) eine antiöstrogene, antioxidative, antiinflammatorische, antiproliferative und apoptotische Wirkung. Im Tiermodell für Brustkrebs haben Wissenschaftler bei einer Konzentration von 100 mg des Hopfenwirkstoffs pro Kilogramm Körpergewicht einen deutlichen Rückgang der Tumorzellmenge beobachtet, bei einer um das Zehnfache höheren Konzentration eine 80prozentige Hemmung des Tumorwachstums sowie einen 30prozentigen Rückgang der Tumorangiogenese.

Das Problem ist allerdings die schlechte Bioverfügbarkeit des Wirkstoffs. "Man müsste schon 400 Liter Bier trinken, um einen Effekt zu erzielen", so Gerhäuser. Interessant könnte der Wirkstoff aber als Arzneimittel zur Chemoprävention werden.

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