Ärzte Zeitung online, 10.09.2010

Hat ein gängiges Antidiabetikum das Zeug zum Mittel gegen Krebs?

YOKOHAMA (ple). Mit dem oralen Antidiabetikum Metformin lässt sich möglicherweise die Entstehung bestimmter Krebsarten verhindern. Eine Pilotstudie zur Prävention von Darmkrebs hat erste Hinweise dafür erbracht.

Hat ein gängiges Antidiabetikum das Zeug zum Mittel gegen Krebs?

Vielleicht kann die Entstehung von Polypen, den Vorstufen von Darmkrebs, mit Meformin verhindert werden.

© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

Bereits in Tiermodellen konnte belegt werden, dass sich kolorektale Karzinome durch die Behandlung mit Metformin verhindern lassen, indem die Zahl von Krebsvorstufen vermindert wird. Und im vergangenen Jahr wurden Studien publiziert, in denen beobachtet wurde, dass Typ-2-Diabetiker, die mit Metformin behandelt werden, ein niedrigeres Krebsrisiko haben als Typ-2-Diabetiker, die mit anderen Antidiabetika behandelt werden. Deshalb lag es nahe, den chemopräventiven Effekt von Metformin bei Patienten mit Vorstufen des Kolorektalkarzinoms zu prüfen.

Die Ergebnisse der ersten Studie dazu haben jetzt japanische Gastroenterologen aus Yokohama veröffentlicht (Cancer Prev Research online). Vier Wochen nach Beginn einer Therapie mit niedrig dosiertem Metformin (250 mg täglich) hatten die Studienteilnehmer signifikant weniger Vorstufen eines Kolorektal-Ca als vor Behandlungsbeginn. In der Kontrollgruppe ohne Metformin-Therapie blieb die Zahl der Vorstufen in den vier Wochen unverändert. An der Studie hatten 23 Patienten teilgenommen, bei denen ACF-Dysplasien (aberrant crypt foci) in den Darmkrypten endoskopisch nachgewiesen worden waren. Die ACF gelten als Zwischenstufen in der Entwicklung vom normalen Epithel zum Karzinom.

Mit Metformin lassen sich darüber hinaus die Entstehung von Lungentumoren verhindern, die experimentell durch Injektion eines im Tabakrauch enthaltenen Karzinogens erzeugt worden waren. Das haben US-Forscher in einer Studie mit Mäusen herausgefunden (Cancer Prev Research online).

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