Ärzte Zeitung, 03.03.2011

Darmkrebsvorsorge kommt zu den Menschen

Darmkrebsvorsorge kommt zu den Menschen

Im Darmkrebsmonat März macht die Stiftung LebensBlicke in Ludwigshafen besonders auch auf die betriebliche Darmkrebsvorsorge aufmerksam. Angesprochen sind Unternehmen, Kommunen und Krankenhäuser.

Von Ingeborg Bördlein

LUDWIGSHAFEN. Bereits seit über einem Jahrzehnt motiviert die Stiftung LebensBlicke Unternehmen, ihren Mitarbeitern die Früherkennung von Darmkrebs anzubieten. "Wenn die Menschen nicht zur Darmkrebsvorsorge gehen, dann kommen wir eben zu ihnen" - diesen Standpunkt vertritt Professor Jürgen F. Riemann, der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Stiftung.

Professor Dr. Jürgen Riemann

Darmkrebsvorsorge kommt zu den Menschen

© privat

Aktuelle Position: Vorstand der Stiftung LebensBlicke, die er 1998 gegründet hat; Mitglied im Vorstand des BDI

Karriere: von 1985 bis Anfang 2009 Direktor der Medizinischen Klinik C am Klinikum der Stadt Ludwigshafen

Privates: Im Februar 2009 empfing er das Bundesverdienstkreuz am Bande

 Das Engagement zahle sich aus, sagte er auf einer Veranstaltung von LebensBlicke.

Die Idee, die Vorsorge in die Betriebe zu bringen, wurde schon Mitte der 90-er Jahre zusammen mit dem Unternehmen BASF in Ludwigshafen umgesetzt: Dort gab es eine Aktion zu Stuhlbluttests. Die Stadt Ludwigshafen, das städtische Klinikum sowie weitere Betriebe folgten.

Jetzt steht ein neues großes Vorsorgeprojekt an: in der Kaufhauskette Breuninger mit Hauptsitz in Stuttgart und Filialen in Deutschland. Im Darmkrebsmonat März erhalten ungefähr 7000 Mitarbeiter gemäß dem Motto "Breuninger, Familie & Verantwortung" einen Fragebogen zum persönlichen Darmkrebsrisiko. Ausgearbeitet hat ihn die Stiftung LebensBlicke.

Der geschäftsführende Gesellschafter des Konzerns, Willem G. van Agtmael, hat nach den Angaben von Riemann bereits selbst eine Vorsorgekoloskopie machen lassen. Nun möchte er alle seine Mitarbeiter in einem persönlichen Schreiben ebenfalls zu Untersuchungen auffordern.

So komme man einerseits an die Vorsorgemuffel heran, die keinen Arzt konsultieren, solange sie sich gesund fühlen, erläuterte Riemann. Andererseits erreiche man auch die Angehörigen, wenn die Fragebögen weitergereicht werden. Pionierregion der betrieblichen Darmkrebsvorsorge ist der Rhein-Neckar-Raum mit etwa 2,4 Millionen Einwohnern.

Das persönliche Risiko wird mit fünf Fragen ermittelt

Unter dem Motto "1000 Leben retten" haben sich etwa hundert Betriebe an der Vorsorgeaktion beteiligt. Sie umfasst einen Fragebogen mit fünf Fragen zum Darmkrebsrisiko, zweitens einen immunologischen Stuhlbluttest und eventuell eine Koloskopie.

Als Ansprechpartner für die Tests empfiehlt die Stiftung LebensBlicke den Firmen ebenfalls regionale Anbieter: Preventis GmbH in Bensheim (PreventID®   CC), FROST Diagnostika GmbH in Otterstadt (BioNexia® FOBplus professionell) und Roche Diagnostics in Mannheim (hemo FEC®). Innerhalb von drei Jahren sollen so allein in dieser Region tausend Leben gerettet werden.

Dieses Ziel strebt der Verein "1000 Leben retten" mit Sitz in Mannheim an, der den Fragebogen kostenlos zur Verfügung stellt.

Erfahrungsgemäß beteiligt sich knapp ein Drittel der Angestellten an Vorsorge-Aktionen. Das rentiert sich für die Betriebe auch wirtschaftlich, wie das Beispiel BASF belegt: Pro Euro für die Früherkennungsaktion werden künftig bis zu zehn Euro eingespart - lediglich durch die Ausfalltage, die eine Darmkrebserkrankung verursacht. Ab März beginne auch im Ruhrgebiet eine betriebliche Vorsorge-Aktion, kündigte Riemann an.

Vorsorgekoloskopien haben nach März Konjunktur

Zwar steigt im zweiten Quartal - also direkt nach dem Darmkrebsmonat - die Zahl der Vorsorgekoloskopien regelmäßig. Über das Jahr betrachtet sei sie aber in letzter Zeit bundesweit stagniert oder sogar gesunken, sagte Dr. Arno Theilmeier aus Mönchengladbach zur "Ärzte Zeitung". Hingegen seien die kurativen Koloskopien nach positivem Stuhltest mehr geworden, so der niedergelassene Gastroenterologe.

Einen Schub könne ein Einladungsverfahren wie beim Mammografie-Screening geben, hofft Riemann. Im Nationalen Krebsplan entwickelte Modellprojekte wurden im Saarland bereits gestartet, in Bayern laufen sie demnächst an.

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