Ärzte Zeitung App, 07.02.2014

Kommentar

Ernährung - weg von der Glaskugel

Ballaststoffe senken das Risiko für Kolorektalkarzinome, wie jetzt eine Studie mit einem Serummarker bestätigt.

Von Thomas Müller

Gut gemachten prospektiven Kohortenstudien haben wir einiges an Erkenntnissen zu verdanken: dass ein ungesunder Lebensstil Herzinfarkte fördert oder dass die Ernährung bei den meisten Tumorarten keine Rolle spielt.

Lange Zeit hatten Fall-Kontroll-Studien bei diesem Punkt anderes nahegelegt, weil Krebskranke vermutet haben, eine ungesunde Ernährung sei schuld an ihrem Leiden. Sie hatten sich daher bevorzugt an ihre schlechten Essgewohnheiten erinnert. Doch auch prospektive Studien sind nicht frei von solchen Verzerrungen: Wer kann sich schon genau daran erinnern, was er letzte Woche gegessen hat?

Um die Aussagekraft epidemiologischer Studien zu erhöhen, wäre es besser, man könnte auf Fragebögen ganz verzichten und würde nur objektive Parameter verwenden. Leider fehlen diese häufig.

Wenn nun dänische Forscher einen potenziellen Biomarker für Vollkornprodukte im Serum analysiert haben, dann ist das ein wichtiger Schritt, um den Nachweis von Ernährungsgewohnheiten auf eine solide wissenschaftliche Basis zu stellen.

Sicher, Serumwerte haben auch ihre Tücken, aber es wäre allemal besser, die Forscher würden sich auf die Suche und Evaluierung geeigneter Marker konzentrieren, statt weiter in fragebogenbasierte Glaskugeln zu starren.

Lesen Sie dazu auch:
Darmkrebs: Vollkorn schützt vor distalem Kolon-Ca

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »