Ärzte Zeitung, 24.07.2014

Koloskopie

Weniger Intervall-Ca bei hoher Adenom-Detektionsrate

Eine Studie aus Nordkalifornien bestätigt: Je mehr Adenome der untersuchende Arzt bei der Koloskopie entdeckt, um so größer sind seine diagnostischen Fähigkeiten. Denn um so seltener erkranken die Patienten an Intervallkarzinomen.

Von Beate Schumacher

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Werden bei Koloskopien viele Adenome entdeckt, ist das ein gutes Zeichen - nämlich für die Qualität der Praxis.

© Klaus Rose

OAKLAND. In einer US-amerikanischen Studie wurden retrospektiv fast 265.000 Koloskopien von 136 Gastroenterologen ausgewertet. Dabei stellte sich heraus, dass Frauen wie Männer gleichermaßen von findigen Endoskopikern profitieren. Der Nutzen ist dabei unabhängig von der Lokalisation oder dem Zeitpunkt des Intervallkarzinoms.

Das Risiko für ein Intervallkarzinom sank den Daten zufolge nahezu linear mit steigender Entdeckungsquote: Jeder Anstieg um 1 Prozent bedeutet demnach einen Risikorückgang um 3 Prozent. Das Risiko eines tödlichen Intervallkarzinoms verringert sich sogar um 5 Prozent.

Die Adenom-Detektionsrate, sprich der Anteil der von einem Arzt durchgeführten Screening-Koloskopien, die zur Entdeckung mindestens eines Adenoms führen, wird schon heute als Qualitätsindikator verwendet - bisher allerdings mit dünner Evidenzbasis.

Durch die Daten des Gesundheitsdienstleisters Kaiser Permanente in Nordkalifornien wird sie nun deutlich robuster (NEJM 2014; 370: 1298-306).

265.000 Koloskopien ausgewertet

Die Daten zeigen eindeutig eine inverse Korrelation zwischen der Entdeckungsquote und Karzinomen, die sechs Monate bis zehn Jahre nach der Untersuchung auftraten. Dies betraf auch fortgeschrittene und tödliche Intervallkarzinome.

Die Gastroenterologen hatten durchschnittlich 2150 Koloskopien (zwischen einer Zahl von 355 und 6005) vorgenommen. Ihre Adenom-Detektionsraten reichten von 7,4 Prozent bis 52,5 Prozent, bei männlichen Patienten lagen sie erwartungsgemäß etwas höher, und zwar 9,7 Prozent bis 60,5 Prozent.

Während des Follow-up von 927.523 Personenjahren wurden 712 Intervallkarzinome diagnostiziert, und zwar im Median 39 Monate nach der Index-Koloskopie. Darunter waren 255 fortgeschrittene und 147 Tumoren, die im Beobachtungszeitraum der Studie zum Tode der Patienten führten.

Für die Analyse wurden die Detektionsraten von den Studienautoren in Quintilen zusammengefasst. Dabei zeigte sich: Mit steigender Quote ging das Risiko für ein Intervallkarzinom kontinuierlich zurück, und zwar von 9,8 auf 8,6, 8,0, 7,0 und 4,8 Fälle pro 10.000 Personenjahre. Dabei wurden demographische Daten und Indikationen für die Koloskopie berücksichtigt.

Risiko war um 48 Prozent geringer

Patienten, die von einem Arzt aus dem obersten Quintil - mit einer Entdeckungsquote von 34 bis 53 Prozent - endoskopiert worden waren, hatten ein um 48 Prozent geringeres Risiko für ein Intervallkarzinom als Patienten mit einem Untersucher aus dem untersten Quintil. In dieser Arztgruppe lag die Entdeckungsquote unterhalb von 19 Prozent.

Das Risiko für ein Stadium-III- oder -IV-Intervallkarzinom lag unter diesen Bedingungen für die Patienten um 57 Prozent niedriger, das Risiko für ein tödliches Intervallkarzinom sogar um 62 Prozent.

"Die Ergebnisse stützen die Validität der Adenom-Detektionsrate als Qualitätsmaßstab für die Koloskopie in Arztpraxen", schreiben die Autoren um Douglas A. Corley von der Forschungsabteilung von Kaiser Permanente in Oakland.

Ärzte, die ihre Quote von weniger als 19 Prozent auf eine Rate von mehr als 34 Prozent steigern, so lautet die Berechnung der Forscher, könnten dadurch pro 213 Koloskopien ein zusätzliches Intervallkarzinom bei den Patienten verhindern.

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