Ärzte Zeitung, 25.09.2015

MGMT

DNA-Reparaturenzym schützt vor Darmkrebs

MAINZ. Das DNA-Reparaturenzym O6-Methylguanin-DNA-Methyltransferase (MGMT) schützt vor Darmkrebs.

Und ein Fehlen dieses Enzyms führt dazu, dass bereits in sehr niedriger Dosierung eines Karzinogens Darmkrebs entsteht. Das fanden Wissenschaftler des Instituts für Toxikologie der Universitätsmedizin Mainz (UMM) um Dr. Jörg Fahrer im Tiermodell heraus (Carcinogenesis 2015; online 4. August).

Durch dieses Ergebnis werde das bisherige Konzept der Nicht-Existenz von Schwellendosen für chemische krebserregende Stoffe grundsätzlich infrage gestellt, und die Reparatur der DNA rücke als effizienter Schutzmechanismus gegen karzinogene Substanzen in den Fokus der Forschung, teilt die UMM mit.

Eine derzeit intensiv diskutierte Frage in der Krebsforschung ist die nach der Existenz von Schwellendosen für chemische krebserregende Stoffe, unterhalb derer ein Stoff für den Menschen nicht gefährlich ist.

Neue Forschungsergebnisse nähren Zweifel an der Gültigkeit des bisherigen Konzepts der Nicht-Existenz von Schwellendosen für Karzinogene. Es liege nun auf der Hand, dass DNA-Reparatur ein effizienter Schutzfaktor gegen karzinogene Expositionen darstellt, heißt es in der Mitteilung.

Keine Schwellendosen festgelegt

Bislang ging man in der Krebsforschung davon aus, dass jede DNA-Schädigung durch krebserregende Stoffe auch im Niedrig-Dosisbereich zur Tumorbildung führen kann.

Daher hätten nationale und internationale Kommissionen, die sich mit der Festlegung tolerabler Konzentrationen von Chemikalien befassen, vereinbart, für chemische Karzinogene keine Schwellendosen festzulegen.

"Vor diesem Hintergrund diskutieren Toxikologen seit geraumer Zeit, ob nicht die Reparatur von DNA-Schäden eine Nicht-Effekt-Schwelle von krebserregenden Stoffen bewirkt. Diese Annahme konnte das Forscherteam um Fahrer jetzt experimentell bestätigen", wird Professor Dr. Bernd Kaina, Direktor des Instituts für Toxikologie der Universitätsmedizin Mainz, in der Mitteilung zitiert.

Die Arbeitsgruppe von Fahrer zeigte im Tiermodell, dass ein Fehlen des DNA-Reparaturenzyms MGMT dazu führt, dass bereits in sehr niedriger Dosierung eines Karzinogens Darmkrebs entsteht.

"Im Gegensatz dazu bildeten sich keine Tumoren, wenn entweder eine normale DNA-Reparaturausstattung existierte oder aber ein anderer DNA-Reparaturdefekt vorlag", erklärt Fahrer. (eb)

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