Ärzte Zeitung, 17.07.2007

Sommerakademie 2007

Antivirale Medikamente halten Hepatitis-B-Viren langfristig in Schach

Remission bei bis zu 50 Prozent der chronisch Infizierten möglich / Heilung ist selten

Nur etwa fünf Prozent der Patienten mit chronischer Hepatitis B werden mit den heutigen Therapien geheilt. Therapieziel ist es daher, die HBV-Replikation dauerhaft zu unterdrücken, um eine Zirrhose und ein hepatozelluläres Karzinom zu verhindern. Viele Patienten brauchen dazu eine antivirale Langzeittherapie.

Nur jeder dritte Patient mit akuter Hepatitis B oder C hat einen Ikterus. Chronische Infektionen werden oft über viele Jahre nicht bemerkt. Foto: wedopress

Nach den neuen Leitlinien deutscher Fachgesellschaften (Z Gastroenterol 45, 2007, 525) sollte bei Patienten mit HBsAntigen-positiver replikativer, chronischer Hepatitis B die Therapie begonnen werden:

  • ab 104 Viruskopien/ml Serum und
  • erhöhten Transaminasen.

Ab dieser Viruskonzentration ist aber auch bei normalen Transaminasen das Zirrhose- und Karzinomrisiko deutlich erhöht. Betroffene mit dieser Konstellation sollten daher alle sechs Monate untersucht und bei Hinweisen für eine Krankheits-Aktivierung antiviral behandelt werden. Zirrhose-Patienten brauchen sogar bei jeder messbaren Virusmenge eine antivirale Therapie.

Für die Therapie sind in Deutschland zugelassen: Interferon alfa (IntronA®, Roferon®-A) und Peginterferon alfa 2a (Pegasys®) sowie die Nukleos(t)idanaloga Lamivudin (Zeffix®), Adefovir (Hepsera®), Entecavir (Baraclude®) und Telbivudin (Sebivo®).

Primär wird eine Therapie mit Interferon empfohlen

In den Leitlinien wird primär die zeitlich begrenzte Interferontherapie empfohlen. Geraten wird zu Peginterferon (PEG-IFN), da es nur einmal pro Woche appliziert werden muss.

Bei HBeAg-positiver Hepatitis B kommt es nach 48-wöchiger PEG-IFN-alfa-Therapie bei etwa 30 Prozent der Patienten zu einer HBeAg-Serokonversion, was eine weitgehende Virussuppression bedeutet. Eine längere Therapie mit Interferon wird wegen der unerwünschten Wirkungen nicht empfohlen. Bei Therapie mit Nukleos(t)idanaloga hängen die HBeAg-Serokonversionsraten von der Therapiedauer ab. Sie liegen, je nach Medikament, nach fünf Jahren bei bis zu 50 Prozent.

Bei HBeAg-negativer chronischer Hepatitis B ist die Therapie problematisch. Zwar sprechen über 60 Prozent der Patienten zunächst gut auf eine Therapie mit PEG-IFN an, doch gibt es hohe Rückfallraten. Favorisiert wird daher bei vielen Patienten eine Langzeitbehandlung mit Nukleos(t)idanaloga.

Problematisch ist die hohe Rate an Virus-Resistenzen

Nimmt unter einem Nukleos(t)idanalogon die Virusmenge nicht in den ersten sechs Monaten kontinuierlich ab, oder liegt sie nach einem Jahr noch über 103 Kopien/ml, dann sollte die Therapie gewechselt werden.

Problematisch bei den antiviralen Mitteln ist die hohe Resistenz-Rate. So gibt es nach drei Jahren Therapie mit Lamivudin bereits bei 52 Prozent der Patienten Resistenzen, bei Adefovir sind es elf Prozent und bei Telbivudin nach zwei Jahren neun bis 22 Prozent. Günstiger ist die Situation bei Entecavir mit unter 0,5 Prozent Resistenzen nach drei Jahren.

Sprechen Patienten nicht (mehr) auf ein Medikament an, dann muss rasch zu einer alternativen Therapie gewechselt werden. Sonst kann es zur Progression der Erkrankung und zu resistenten Viren kommen. Durch Kombinationen der antiviralen Substanzen erhofft man sich künftig vermehrte Remissionen. (eis)

Bei geringstem Verdacht testen!

Etwa eine Million Menschen sind in Deutschland chronisch mit Hepatitis-B- (HBV) oder Hepatitis-C-Viren (HCV) infiziert. Die meisten wissen nichts davon und haben ein hohes Risiko für Zirrhose und Leberkrebs.

Auf HBV- und HCV-Infektion sollte daher jeder getestet werden, der auch nur gering erhöhte Leberwerte hat. Bei Hepatitis können die Transaminasen jedoch normal sein. Berichten Patient von plötzlichem Leistungsabfall oder (auch geringen!) abdominellen Beschwerden, wird ebenfalls zu Tests geraten, wenn weitere Risikofaktoren hinzukommen. Dazu gehören: Gelbsucht in der Anamnese, Drogengebrauch oder medizinische Tätigkeiten (auch Altenpfleger, Zahntechniker, Sanitäter).

Wer in Entwicklungsländern oder Staaten des ehemaligen Ostblocks geboren wurde, sollte auf HBV getestet werden. Ein HCV-Test ist Menschen anzuraten, die vor 1991 eine Bluttransfusion bekommen haben oder damals mit Blutprodukten behandelt worden sind.

Zur Diagnostik bei Verdacht auf Virushepatitis wird zunächst je ein Antikörpertest auf HCV sowie HBsAg und HBcAg empfohlen. Bei positivem Ergebnis sollten Patienten zum Facharzt überwiesen werden. (eis)

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