Ärzte Zeitung online, 11.11.2009

Spektakuläre Leber-Operation rettet 60-jährigem Patient das Leben

HEIDELBERG (eb). Mit einer komplexen Operation konnte einem Patienten in der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg das Leben gerettet werden. Der 60-jährige Mann litt an einem großen bösartigen Lebertumor, der wegen des hohen Risikos des Gewebeschadens durch Sauerstoffmangel mit den üblichen Techniken nicht hätte entfernt werden können. Rund sechs Wochen nach der Operation ist der Patient zu Hause und in guter Verfassung.

Die sogenannte "Ante-Situ-Resektion", bei der die Leber vorübergehend aus dem Bauchraum entnommen, vom Blutfluss abgekoppelt und kalt gestellt wird, stellte sicher, dass der Tumor vollständig entnommen werden konnte und das verbliebene Lebergewebe funktionstüchtig blieb. Ein 16-köpfiges Operationsteam sorgte für die Ausführung des Eingriffs.

Der Patient hatte einen knapp handballgroßen Leberkrebs, der mehr als 70 Prozent des Lebergewebes befallen hatte. Normalerweise besteht keine Überlebenschance, da derart ausgedehnte Tumoren im Bauchraum wegen des blockierten Blutabflusses nicht operiert werden können. Das zu entfernende Lebergewebe muss innerhalb von 30 bis 45 Minuten entnommen werden. Diese Zeitspanne ist in besonders fortgeschrittenen Fällen nicht ausreichend. Daher bleibt als einzige Therapieoption eine Chemotherapie, die keine Heilung, sondern nur Verzögerung bieten kann.

Bei der "Ante-Situ-Resektion wird die Leber von der Blutversorgung vorübergehend abgekoppelt und mit einer kalten Lösung durchspült. Dadurch wird das Organ beweglich und kann vor dem Bauchraum präpariert werden. Das kalte Organ hat zudem eine deutlich höhere Toleranz für Sauerstoffmangel, das Zeitfenster verlängert sich auf 4 bis 5 Stunden. Da die Leber blutleer ist, hat der Operateur deutlich bessere Sicht. Die Heidelberger Chirurgen entfernten den Tumor und konnten zwei gesunde Segmente der Leber wieder einpflanzen, aus der sich neues Lebergewebe bilden kann, bis zu 85 Prozent der ursprünglichen Größe.

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