Ärzte Zeitung, 11.04.2013

So gut wie Interferon

Statin statt Leberkrebs

Die Ergebnisse einer Studie in Taiwan mehren die Hinweise, dass Statine das Risiko für Leberkrebs bei HCV-Infektion mindern können. Ein Problem könnte bloß die Kombination mit anderen HCV-Therapien werden.

Von Peter Leiner

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Abdomen-Sono bei unklaren Beschwerden: gibt’s Hinweise auf ein Malignom, etwa der Leber?

© Jochen Tack/imago

TAIPEH. Der Zusammenhang zwischen Statintherapie und Leberkrebsrisiko bei HCV-Infizierten ist bereits in mehreren Studien untersucht worden. Ermittelt wurden dabei Risikoreduktionen zwischen 25 Prozent und 40 Prozent.

Erstmals haben nun taiwanesische Ärzte um Dr. Yu-Tse Tsan von der Universität von Taiwan in Taipeh diesen Zusammenhang in einer bevölkerungsgestützten Kohortenstudie bei unterschiedlichen Statindosierungen überprüft (Clin Oncol 2013; online 18. März).

Dazu werteten sie die Daten von fast 261.000 HCV-infizierten Krankenversicherten aus dem Zeitraum zwischen 1999 und 2010 aus. Knapp 28.000 HCV-Infizierte erkrankten im Follow-up von fast 2,8 Millionen Personenjahren an einem hepatozellulären Karzinom.

Von den mehr als 35.000 Patienten, die mit einem Statin behandelt wurden, erkrankten knapp 1400 an Leberkrebs. Von einer Statintherapie wurde erst dann gesprochen, wenn der Wert der kumulativen definierten Tagesdosis (cDDD) pro Jahr über 28 lag.

Unter den HCV-Patienten ohne Statintherapie (cDDD unter 28) - das waren fast 226.000 Infizierte - wurde bei mehr als 26.500 Patienten ein hepatozelluläres Karzinom diagnostiziert.

Im Vergleich zur Gruppe der Patienten ohne Statintherapie war das relative Risiko für Leberkrebs bei einer cDDD zwischen 28 und 89 pro Jahr um 34 Prozent, bei einer cDDD zwischen 90 und 180 pro Jahr um 53 Prozent und bei einer cDDD über 180 pro Jahr um 67 Prozent reduziert.

Damit habe die Statintherapie einen ähnlich präventiven Effekt wie eine Interferontherapie, so die Ärzte.

Sichere Therapie bei HCV-Infektion

Aus der Studie gehe auch hervor, dass die Statintherapie bei HCV-Infizierten sicher sei. Allerdings sei zu bedenken, dass die gleichzeitige Applikation der Statine Atorvastatin, Lovastatin und Simvastatin mit dem HCV-Proteasehemmer Boceprevir oder Telaprevir die Wahrscheinlichkeit erhöhe, an einer Myopathie oder einer Rhabdomyolyse zu erkranken.

Die Wirkung von Statinen bei HCV-Infizierten erklären sich die Ärzte unter anderem damit, dass die Lipidsenker die Virus-Vermehrung unterdrücken, indem sowohl Cholesterinsynthese als auch die Entstehung von Geranylgeranylproteinen gehemmt werden - beides für die Virusvermehrung notwendige Komponenten.

Auch gibt es Hinweise, dass das Wachstum maligner Zellen durch Statine gedrosselt und deren Apoptose verstärkt wird. Zudem hätten Statine einen adjuvanten Effekt auf die Wirkung der Therapie mit Peginterferon und Ribavirin, so die Ärzte.

Trotz der bisherigen ermutigenden Studienergebnisse ist es nach Ansicht der Onkologin Dr. Abby B. Siegel vom Columbia University Medical Center in New York für eine generelle Empfehlung von Statinen zur Prävention von Leberkrebs zu früh.

Wie sie in ihrem Kommentar zur taiwanesischen Studie betont, sei auch die Zeit noch nicht reif für eine randomisierte Präventionsstudie, die groß angelegt sein müsse und teuer werden würde.

Unter anderem müssten zuvor sowohl der antikarzinogene Effekt von Statinen als auch deren Wirkung auf die HCV-Aktivität noch genauer erforscht werden. Weitere Antworten darauf erwartet die Ärztin unter anderem von derzeit laufenden randomisierten Langzeitstudien.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Statine gegen Krebs?

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