Dienstag, 9. Februar 2010
Ärzte Zeitung, 05.12.2006

Lenalidomid kann veränderte Blutzellen zurückdrängen

Bald Therapie-Option bei Myelodysplastischem Syndrom? / Mit dem Immunmodulator brauchen die Patienten weniger Bluttransfusionen

LEIPZIG (nsi). Die immunmodulatorische Substanz Lenalidomid könnte für Patienten mit myelodysplastischem Syndrom (MDS) eine Therapie-Option sein. Mögliche Indikationen wären Anämien, die als Folge der Erkrankung auftreten und Bluttransfusionen erfordern.

Der Wirkstoff käme in Frage für Patienten mit niedrigem bis mittleren Risiko und besonders für die Gruppe mit einem DNA-Verlust im langen Arm von Chromosom 5 (5q-Deletion). Dr. Aristoteles Giagounidis aus Duisburg hat bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie in Leipzig Daten vorgestellt, die den Effekt von Lenalidomid beim MDS belegen.

148 Patienten mit MDS und 5q-Anomalie, die isoliert oder zusammen mit weiteren zytogenetischen Veränderungen vorkam, haben an der Phase-II-Studie teilgenommen. Die Probanden hatten in den acht Wochen davor durchschnittlich sechs Bluttransfusionen erhalten. Sie nahmen täglich 10 mg Lenalidomid (Revlimid®) oral ein, ein Teil der Probanden durchgehend, ein anderer Teil in Zyklen von drei Wochen Medikation gefolgt von einer Woche Pause. Das Ansprechen wurde nach 24 Wochen verblindet überprüft.

64 Prozent der Patienten wurden im Untersuchungszeitraum unabhängig von Bluttransfusionen. Bei 76 Prozent verringerte sich der Bedarf an Erythrozytenkonzentraten um mindestens die Hälfte. 69 Prozent der Patienten mit isolierter 5q-Veränderung konnten im Verlauf von 24 Wochen auf Transfusionen verzichten, aber nur 49 Prozent der Patienten mit anderen Chromosomen-Veränderungen. "Bei Patienten mit 5q-Deletion wirkt Lenalidomid besonders gut", so Giagounidis bei einer Veranstaltung des Unternehmens Celgene.

Lenalidomid, dessen EU-Zulassung beantragt ist, senkte bei 62 von 85 Patienten, die zytogenetisch untersucht worden waren, die Zahl der Zellen mit 5q-Deletion. Das entspricht 73 Prozent. Bei 44 Prozent der Patienten waren gar keine pathologischen Zellen mehr nachweisbar - eine komplette zytogenetische Remission. Insgesamt hatte sich die Knochenmarkhistologie bei jedem dritten Teilnehmer normalisiert. Offenbar unterdrückt Lenalidomid die Vermehrung der Zellen mit 5q-Deletion.

STICHWORT

MDS

Myelodysplastische Syndrome (MDS) sind Knochenmark-Erkrankungen, die in akute myeloische Leukämien übergehen können. Typisch sind Reifungs- und Funktionsdefekte blutbildender Zellen. Deshalb werden viele Patienten anämisch und benötigen Erythrozytenkonzentrate. Die Transfusionen wiederum bergen das Risiko von Eisenüberladung. (nsi)

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