Ärzte Zeitung, 26.01.2004

Chemo- und Immuntherapie senken Rezidivrate bei Lymphom

Die Ergebnisse zweier Studien belegen Nutzen einer Kombitherapie / Einfluß auf Gesamtüberleben muß noch geprüft werden

FRANKFURT AM MAIN (ner). Patienten mit follikulären Lymphomen profitieren davon, wenn sie statt mit der etablierten Chemotherapie kombiniert chemo-immuntherapeutisch behandelt werden. Aktuelle Studiendaten nähren die Hoffnung, daß das Leben der Patienten damit verlängert werden kann.

Professor Wolfgang Hiddemann von der Universität München hat in Frankfurt am Main die Ergebnisse zweier aktueller Studien dazu vorgestellt. Dabei handelte es sich unter anderem um eine prospektive randomisierte Studie aus Deutschland mit 428 zuvor nicht behandelten Patienten mit fortgeschrittenem follikulärem Lymphom.

Sie hatten entweder sechs bis acht Zyklen der Standardchemotherapie CHOP erhalten (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison) oder CHOP plus Rituximab (Mabthera®), einem monoklonalen Antikörper gegen ein Oberflächenantigen der Lymphomzellen (R-CHOP-Schema).

Fast alle kombiniert behandelten Patienten (96 Prozent) reagierten auf die Therapie partiell oder vollständig. In der Kontrollgruppe waren es 90 Prozent, hieß es bei der Veranstaltung von Hoffmann-La Roche. Entscheidend jedoch sei, so Hiddemann, wie lange die Remission anhalte.

Bei dem Parameter des krankheitsfreien Überlebens gab es einen deutlichen Unterschied: Drei Jahre nach Studienbeginn kam es unter der Chemotherapie bei 61 der 205 Patienten zum Rückfall (30 Prozent), unter Rituximab plus CHOP waren es nur 28 von 223 Patienten (12,5 Prozent) - ein signifikanter Unterschied.

Die zweite zitierte Studie mit 321 zuvor nicht behandelten Patienten mit follikulärem Lymphom bestätigt dieses Ergebnis. Dabei war das Chemotherapie-Schema CVP (Cyclophosphamid, Vincristin, Prednison) allein oder in Kombination mit Rituximab verabreicht worden. Wiederum war die Kombination der alleinigen Chemotherapie signifikant überlegen; die Erfolgsraten reichten allerdings nicht an die des R-CHOP-Schemas heran.

Jetzt hat der Hersteller die Zulassung des monoklonalen Antikörpers zur Primärtherapie bei follikulärem Lymphom beantragt (wie kurz berichtet). Sie wird im Herbst 2004 erwartet. Bislang ist Rituximab nur bei Chemotherapie-resistenten Patienten oder bei Patienten mit Rezidiven offiziell zugelassen.

Nach Angaben von Hiddemann habe man nun erstmals die Möglichkeit, bei follikulärem Lymphom nicht nur die Symptome zu lindern, sondern in den Krankheitsverlauf einzugreifen. Welchen Einfluß die neue Therapieoption auf das Gesamtüberleben habe, werde man allerdings erst in zehn Jahren sagen können.

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