Ärzte Zeitung, 11.05.2004

Antikörper bringt seine tödliche Fracht gezielt zum Tumor

Hohe Ansprechraten bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom nach Versagen einer Chemotherapie sind möglich / Remission über 23 Monate

MÜNCHEN (djb). Bei Patienten mit B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) können mit einer Radioimmuntherapie (RIT) auch nach Versagen einer Chemo- oder Immuntherapie noch hohe Ansprechraten und lang anhaltende Remissionen erzielt werden.

Das Behandlungsprinzip ist seit wenigen Wochen als Y-90-Ibritumomab-Tiuxetan (Zevalin®) für Patienten mit CD20-positivem follikulärem NHL verfügbar, das nach einer Rituximab-Therapie rezidiviert oder refraktär ist. Der monoklonale Anti-CD20-Antikörper Ibritumomab-Tiuxetan transportiert den Beta-Strahler Yttrium-90 an den Tumor und zerstört so hochspezifisch die strahlensensiblen Lymphomzellen. Die hohe Anti-Tumorwirksamkeit des Radioimmunkonjugats bei zuvor behandelten Patienten mit B-Zell-Lymphomen, hohe Ansprechraten über 80 Prozent, lang anhaltende Komplettremissionen und ein akzeptables Nebenwirkungsprofil sind gut belegt. So hat Dr. Robert Dillman aus Newport Beach in Kalifornien die Ergebnisse von fünf klinischen Studien zusammengefaßt.

Wie Dillman bei einem von dem Unternehmen MedacSchering Onkologie initiierten Symposium gesagt hat, ist eine Applikation des Antikörpers bei geringer Toxizität so effektiv wie die mehrerer Chemotherapie-Zyklen.

Bei Patienten mit rezidivierten oder refraktären CD20-positiven B-Zell-NHL erzielte die RIT höhere Ansprechraten (80 statt 56 Prozent) und mehr Komplettremissionen (CR) (30 statt 16 Prozent) als eine Antikörper-Monotherapie mit Rituximab (J Clin Oncol 20, 2002, 3262). An der Phase-III-Studie nahmen Patienten mit niedrig-malignem follikulärem oder transformiertem NHL teil. Die Remissionsdauer bei den Patienten mit kompletter Remission betrug median 23 Monate, bei manchen 42.

Derzeit werde die RIT mit Y-90-Ibritumomab-Tiuxetan bei weiteren Indikationen geprüft, erläuterte Professor Norbert Schmitz aus Hamburg. Erfolgversprechend sei etwa die frühe Therapie beim follikulären NHL, etwa als Konsolidierungstherapie nach initialer Chemotherapie. Bei einigen Patienten konnte die Wirksamkeit der RIT bei anderen Lymphomen wie Mantelzell-Lymphom oder diffus-großzelligen Lymphomen belegt werden. Bei rezidivierten aggressiven NHL wird derzeit die Kombination der RIT mit einer hochdosierten Chemotherapie in einem Z-BEAM-Regime (Zevalin® BCNU, Etoposid, Ara-C, Melphalan) geprüft.

Weitere Informationen zur Veranstaltung sowie Abstracts und Tonbeiträge sind erhältlich unter www.onkodin.de

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