Ärzte Zeitung, 08.09.2004

Rote Augen trotz Therapie - Ist es ein Lymphom?

Zum Nachweis reicht meist ein nicht invasiver Bürstenabstrich / Inzidenz der Erkrankung ist gestiegen

DÜSSELDORF (hsr). Entzündete, tränende, stark gerötete Augen als Dauerbefund trotz Behandlung, dazu stetig zunehmendes Fremdkörpergefühl - spätestens dann sollte, wie die Krankengeschichte einer Frau nahe legt, nach einem Lymphom der Konjunktiva gefahndet werden. Zur Gewinnung von Zellen aus dem verdächtigen Areal reicht dafür meist eine schonende Methode aus: der nicht invasive Bürstenabstrich.

Lymphatische Neoplasien der Augenbindehaut sind früher, wie Dr. Gisbert Schilgen berichtet, relativ selten diagnostiziert worden. In den vergangenen Jahren ist die Inzidenz dieses Krankheitsbildes nach Beobachtungen des Ophthalmologen von der Universitäts-Augenklinik Düsseldorf allerdings gestiegen.

Trotz oft typischer mikroskopischer Befunde mit der Spaltlampe sei eine Verwechslung lymphoepithelialer Tumoren mit einer chronischen follikulären Konjunktivitis durchaus möglich, räumt Schilgen ein. So geschehen bei einer 33jährigen Patientin, die, obwohl bereits seit zwei Jahren behandelt, über ein zunehmendes Fremdkörpergefühl vor allem im linken Auge mit Tränenträufeln klagte und sich mit Verdacht auf chronische allergische Konjunktivitis vorstellte (Ophthalmologe 5, 2004, 514).

Die Augenärzte diagnostizierten in beiden Augen auffällige grobe rötliche makrofollikuläre Gewebsneubildungen der Conjunctiva tarsi, wovon Zellen mit Bürstenabstrich oberflächlich entnommen wurden. Die zytologische Untersuchung - bestätigt durch Biopsie mit histopathologischem und immunhistochemischem Test - ergab ein niedrigmalignes Non-Hodgkin-B-Zell-Lymphom. Drei Wochen nach lokaler, perkutaner Radiotherapie waren weder dysplastische noch maligne Zellen mehr nachweisbar.

Bislang war zur diagnostischen Abklärung bei Patienten mit follikulärer chronischer Konjunktivitis, die auf eine Behandlung nicht ansprachen, nach Angaben von Schilgen allein eine invasive Gewebsentnahme notwendig. Die neue schonende, den Patienten nicht belastende Bürstenabstrich-Methode eigne sich nun auch zur primären Diagnostik und für zytologische Kontrolluntersuchungen zur Rezidivprophylaxe. Dadurch könnte die Zahl an Probebiopsien, von denen jedoch eine anfangs zur Befundsicherung weiterhin nötig sei, verringert werden.

STICHWORT

NH-Lymphom

Non-Hodgkin-Lymphome vom B-Zell-Typ sind mit einem Anteil von 75 Prozent die häufigsten Non-Hodgkin-Lymphome (NHL). Dabei werden die langsam verlaufenden und beschwerdearmen indolenten Lymphome von aggressiven unterschieden. Das aggressive NHL führt unbehandelt innerhalb eines Jahres zum Tod. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 5400 Menschen neu am aggressivem NHL. Die NHL-Häufigkeit nimmt aus unbekannten Gründen zu.

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