Ärzte Zeitung, 02.11.2005

Imatinib führt zu lang anhaltenden Remissionen bei Leukämie

Fast alle Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie sprechen gut auf die Standardbehandlung an / Mit Dosiserhöhung gegen Resistenzen

NEU-ISENBURG (eb). Fünf Jahre Therapieerfahrung mit Imatinib belegen, daß bei Patienten mit einer neu diagnostizierten Philadelphia-Chromosom-positiven chronischen myeloischen Leukämie (Ph+CML) lang anhaltende Remissionen erreicht werden, und zwar mit einer Dosierung von täglich 400 mg.

Der größten Studie (IRIS) mit mehr als 1100 Patienten zufolge haben, wie die "Ärzte Zeitung" berichtete, 98 Prozent der neu diagnostizierten CML-Patienten mit Imatinib (Glivec®) nach 42 Monaten eine komplette hämatologische Remission, das Blutbild normalisiert sich. 91 Prozent erreichen eine größere zytogenetische Remission (MCR, definiert als maximal 35 Prozent Ph+-Zellen im Blut).

Bei 84 Prozent wird sogar eine komplette zytogenetische Remission (CCR, kein Nachweis von Ph+-Zellen) erzielt. Aktuelle Daten belegen zudem, daß Patienten, die 800 mg Imatinib pro Tag einnehmen, ein noch besseres molekulares Ansprechen haben. Dies bedeutet eine deutliche Verringerung der Boten-RNA des BCR-ABL-Fusions-Gens auf dem Philadelphia-Chromosom.

   Bei 98 Prozent der Patienten mit CML hat sich das Blutbild nach der Behandlung normalisiert.
   

"Das molekulare Ansprechen ist der wichtigste verlaufsabhängige Prognosefaktor in der CML", sagt Professor Andreas Hochhaus von der Fakultät für Klinische Medizin Mannheim der Uni Heidelberg auf einer Tagung der Novartis-Stiftung in Nürnberg. Quantifiziert wird BCR-ABL mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion.

98 Prozent der Patienten, die in der IRIS-Studie innerhalb von zwölf Monaten eine CCR und eine BCR-ABL-Reduktion um mindestens drei Größenordnungen (drei log-Stufen) erreichten, überleben mehr als 42 Monate progressionsfrei. Dagegen lag der Wert in der Studie bei 90 Prozent, wenn zwar eine CCR, aber eine BCR-ABL-Reduktion von weniger als drei log-Stufen erzielt wurde. Wurde keine CCR erreicht, blieben 75 Prozent der Patienten in dieser Zeit progressionsfrei.

In Studien zur Therapieoptimierung, etwa in der CML-IV-Studie unter Leitung von Hochhaus, werden alternative Strategien zum Erreichen dieser Therapieziele überprüft.

In der CML-IV-Studie wird der Therapieerfolg mit der Standarddosis 400 mg Imatinib mit dem der Kombination Imatinib / Interferon-alpha sowie der 800-mg-Dosis pro Tag von Imatinib bei neu diagnostizierten CML-Patienten verglichen. Eine Möglichkeit, den Therapieerfolg zu verbessern, wenn die Therapieziele nicht erreicht werden, ist die Dosissteigerung von der Standarddosis 400 mg auf 800 mg.

Fast alle CML-Patienten sprechen gut auf eine Standard-Behandlung mit dem Tyrosinkinase-Hemmer Imatinib an. Etwa vier Prozent der Behandelten in der frühen chronischen Phase der Erkrankung haben Formen der Resistenz. Für solche Patienten steht seit Juli 2005 ebenfalls die Dosiserhöhung auf 800 mg innerhalb der Zulassung zur Verfügung.

Eine weitere Option in der Behandlung ist der neue Wirkstoff AMN107, wie Studien, etwa in Mannheim, belegen. Er ähnelt strukturell Imatinib, hemmt jedoch noch gezielter die CML-typische Genmutation und verfügt über ein ähnlich gutes Profil unerwünschter Wirkungen. Erste Studienergebnisse sind erfolgversprechend: Mit dem neuen Medikament können Resistenzen durchbrochen werden - die Patienten sprechen wieder auf eine Behandlung an.

Informationen zur Studie gibt es bei der CML-Studienzentrale Mannheim, Tel.: 0621 / 3 83 41 68 oder per E-Mail: cml.studie@urz.uni-heidelberg.de

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