Ärzte Zeitung, 08.06.2006

Imatinib-Therapie stoppt CML-Progression

Nach fünf Jahren Behandlung mit dem Tyrosinkinase-Hemmer leben noch 95 Prozent der Patienten

ATLANTA (nsi). Fünf Jahre nach Beginn einer Therapie mit Imatinib (Glivec®) von Patienten, die an chronischer myeloischer Leukämie (CML) leiden, ist die Krankheit nur bei 7,4 Prozent der Patienten in die akzelerierte Phase übergegangen oder in eine Blastenkrise, und nur knapp fünf Prozent der Patienten in der Imatinib-Gruppe sind an den Folgen der CML gestorben.

"Das sind sehr gute Ergebnisse, und sie haben Imatinib als Standard für die Erstlinienbehandlung von CML-Patienten bestätigt", sagte Professor Brian Druker aus Portland in den USA (wir berichteten kurz). Er hatte die Fünf-Jahresergebnisse der IRIS-Studie bei der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Atlanta vorgestellt.

Die IRIS-Studie hat im Jahr 2000 begonnen. 1106 unvorbehandelte Patienten mit CML wurden aufgenommen, entweder in einen Studienarm mit der Standardtherapie aus Interferon alpha plus Cytosinarabinosid oder aber in einen Studienarm mit 400 mg Imatinib täglich. Patienten vom Standardarm konnten in die Imatinib-Gruppe wechseln, dadurch erhielten am Ende der fünf Jahre nur noch drei Prozent der Teilnehmer Interferon und Cytosinarabinosid.

Druker präsentierte die Daten von 553 Patienten, die initial Imatinib erhalten hatten. Elf Prozent der Patienten brachen die Imatinib-Behandlung ab wegen Progression der Erkrankung oder fehlendem Ansprechen und knapp sechs Prozent wegen unerwünschter Wirkungen. Im ersten Jahr beobachteten die Forscher bei 3,3 Prozent der Patienten Ereignisse, die mit der Krankheit assoziiert waren: Progression, Nichtansprechen oder Tod des Patienten. Im zweiten Jahr steigerte sich die Ereignis-Rate auf 7,4 Prozent, im dritten Jahr nach Therapiebeginn nahm sie auf 4,8 Prozent ab und bis zum fünften Jahr weiter auf 0,9 Prozent.

"Insgesamt ist das Risiko gering, daß unter einer Imatinib-Therapie die CML fortschreitet", sagte Druker. Für Patienten, die komplett oder partiell zytogenetisch ansprechen, stünden Chancen einer Nicht-Progression gut. Von den Patienten mit einem molekularen Ansprechen (Reduktion der BCR-ABL-Transkripte um mindestens drei Logstufen) sei sogar keiner in die beschleunigte Phase oder in eine Blastenkrise gekommen.

Die neuen Studienergebnisse relativieren noch einmal die Bedeutung der Stammzelltherapie für die Behandlung von CML-Patienten. Diese sei eventuell sehr jungen Patienten vorbehalten oder solchen, die auf Imatinib nicht ansprächen, hieß es auf der Veranstaltung.

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