Ärzte Zeitung, 20.12.2006

Neue Option bei chronisch myeloischer Leukämie

Dasatinib ist eine Alternative bei Therapieversagen / Zulassung auch bei Philadelphia-Chromosom-positiver ALL

FRANKFURT AM MAIN (ner). 15 bis 25 Prozent der Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) sprechen auf den Tyrosinkinasehemmer Imatinib nicht ausreichend an. Für sie ist jetzt Dasatinib (Sprycel™) verfügbar, das in einem beschleunigtem Verfahren in Europa zugelassen worden ist.

Der Tyrosinkinasehemmer Dasatinib kann bei Erwachsenen in allen Erkrankungsstadien von CML angewendet werden, wenn die Patienten bei bisherigen Behandlungen einschließlich Imatinib therapieresistent waren oder diese Therapien nicht toleriert haben (wir haben kurz berichtet). Zugelassen ist das neue Mittel zudem bei Philadelphia-Chromosom-positiver (Ph+) ALL (akute lymphatische Leukämie) und bei lymphatischer Blastenkrise der CML mit Resistenz oder Intoleranz gegen eine vorherige Imatinib-Therapie.

Grundlage der Zulassung sind fünf multizentrische Phase-II-Studien in allen Krankheitsstadien der CML und der Ph+ALL, wie Dr. Rolf Linke von Bristol Myers-Squibb bei einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main berichtet hat. Alle Teilnehmer waren resistent gegen übliche Imatinib-Dosen (400 bis 600 mg pro Tag) oder tolerierten das Mittel nicht.

Linke zitierte Daten einer Studie mit CML-Patienten in der chronischen Phase der Erkrankung. 49 Patienten erhielten eine Hochdosistherapie mit 800 mg Imatinib (Kontrollgruppe) und 101 Patienten erhielten zweimal 70 mg Dasatinib täglich. Nach zwölf Wochen sprachen 22 Prozent der Dasatinib-Patienten und acht Prozent in der Kontrollgruppe vollständig zytogenetisch an, das heißt, im Knochenmark waren keine Ph+-Zellen mehr nachweisbar.

Nach einer Behandlung von im Mittel 15 Monaten betrug die Rate 53 Prozent unter Dasatinib und 33 Prozent unter Imatinib. Progredient war die Erkrankung in diesem Zeitraum bei sechs der 101 Patienten in der Dasatinib-Gruppe sowie bei zehn der 49 Patienten in der Kontrollgruppe.

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