Ärzte Zeitung, 02.03.2007

Antikörper hilft, Chemo bei Lymphom zu verkürzen

Kombi mit Rituximab verbessert den Therapieerfolg

FRANKFURT AM MAIN (hbr). Bei aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) liefert eine Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Rituximab zusätzliche zur Chemotherapie die besten Ergebnisse. Das gilt auch, wenn die Chemotherapie um ein Viertel verkürzt wird.

"Das war auch für uns überraschend", sagt Professor Norbert Schmitz von der Hamburger Asklepios Klinik St. Georg. "Aber in Kombination mit acht Infusionen Rituximab sind sechs oder acht Zyklen der CHOP-14-Chemotherapie etwa gleich wirksam."

Bei aggressiven Lymphomen wie den großzelligen Lymphomen ist CHOP (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednison) bisher Standard. Aus Studien weiß man, dass sechs Einsätze in zweiwöchigen Intervallen (CHOP-14) dabei wirksamer sind als dreiwöchige (CHOP-21). Zudem ist bekannt, dass Rituximab (MabThera®), kombiniert mit CHOP-21, besonders gut wirkt. Rituximab erkennt Zielstrukturen auf Lymphomzellen und kann zu deren Zerstörung führen.

Deshalb wurde die Kombination von Zwei-Wochen-Zyklen plus Rituximab jetzt in der RICOVER-60-Studie (Rituximab CHOP-over-60) angewandt. In dieser größten Studie für Patienten mit aggressivem NHL wurde auch geprüft, ob für die Chemotherapie sechs statt acht Zyklen reichen. Denn je länger sie dauert, um so schwerer fällt sie den Patienten.

Am besten war das Ansprechen auf die Kombinationen, besonders auf Rituximab plus sechsmal Chemotherapie: Bei 78 Prozent verschwand die Krankheit völlig, war also zum Beispiel computertomografisch nicht mehr nachweisbar. Ebenso viele lebten noch nach drei Jahren, so Schmitz bei einer Veranstaltung von Roche Pharma in Frankfurt am Main. Das sind tendenziell sogar mehr als in Kombination mit achtmal Chemotherapie (73 Prozent).

Ereignisfrei überlebten mit der kurzen Chemotherapie-Kombination 67 statt 63 Prozent der Patienten. Als Ereignisse galten etwa Zusatz-Medikation, nichtkomplette Remission und Tod. Auch Therapieabbrüche waren in dieser Gruppe am seltensten. Mit reiner Chemotherapie ohne Rituximab überlebten maximal 68 Prozent und ereignisfrei sogar nur jeder Zweite.

DIE STUDIE IN KÜRZE

Ziel: Vergleich verschiedener Zyklen der CHOP-Chemotherapie mit und ohne den Antikörper Rituximab bei aggressivem B-Zell-Lymphom. CHOP: Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison.

Methode: 1222 Patienten aller Risikogruppen von 61 bis 80 Jahren erhielten im 14-Tage-Intervall sechsmal CHOP, achtmal CHOP, sechsmal CHOP plus achtmal eine Rituximab-Infusion oder achtmal CHOP plus achtmal Rituximab. Mittlere Beobachtungsdauer: 34,5 Monate.

Ergebnis: Gesamt- und ereignisfreies Überleben fallen mit Rituximab-Kombis besser aus als mit reiner Chemo. Beide Kombinationen bringen trotz verschieden langer Chemotherapie statistisch den gleichen Erfolg. Häufigste unerwünschte Wirkungen in allen Gruppen: Haarausfall (53 bis 64 Prozent) und Infektionen (28 bis 35 Prozent). (hbr)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zeit für aggressive Maßnahmen

Viel Geschwätz, wenig Taten: Zeit für aggressive Weichenstellungen in der Diabetes-Prävention, meinen Fachleute. Sie fordern die Lebensmittel-Ampel und Steuern auf ungesunde Produkte. mehr »

Beim Thema Luftschadstoffe scheiden sich die Geister

Gesundheitliche Gefahren von Luftverschmutzung sehen Pneumologen vorrangig als ihr Thema an. Doch die Meinung der Fachärzte darüber ist nicht einhellig. Das zeigt sich auch im Vorfeld ihrer Fachtagung. mehr »

Patienten vertrauen auf Online-Bewertungen

In welche Praxis soll ich gehen? Ihre Entscheidung fällen Patienten zunehmend anhand von Online-Bewertungen – eine Chance für Ärzte, so eine neue Studie. mehr »