Ärzte Zeitung, 21.11.2007

Nabelschnurblut-Stammzellen nutzen Erwachsenen mit Krebs

Zellen von nicht-verwandten Spendern bekämpfen erfolgreich Leukämie-Zellen

DÜSSELDORF (nsi). Bis vor kurzem war allogenes Nabelschnurblut als Stammzell-Quelle eher zweite Wahl, zumindest für die Therapie bei Erwachsenen. Denn die Zellmenge reichte oft nicht aus. Jetzt aber zeigt sich: Nicht-verwandtes Nabelschnurblut ist keineswegs zweitklassig im Vergleich zu Knochenmark, sondern hat sogar Vorteile.

 Nabelschnurblut-Stammzellen nutzen Erwachsenen mit Krebs

Erwachsenen kann zur Therapie mit Stammzellen aus Nabelschnurblut geraten werden. Denn sie profitieren offenbar mehr davon als bisher vermutet.

Foto: Imago

Aufgrund der größeren immunologischen Verträglichkeit von Nabelschnurblut müssen Spender und Empfänger in weniger Merkmalen übereinstimmen als bei Knochenmarkspenden. Für Leukämie-Kranke hat die Transplantation von Nabelschnurblut mit Mismatches in zwei bis drei HLA-Antigenen (Gewebeverträglichkeitsmerkmale) den Vorteil, dass der Transplantat-gegen-Leukämie-Effekt hoch, die Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion aber gering ist. Das hat Professor Gesine Kögler von der José-Carreras-Stammzellbank an der Uniklinik Düsseldorf, der größten Stammzellbank Europas, beim Medica-Kongress in Düsseldorf berichtet.

Zellen aus Nabelschnurblut sind für Erwachsene gut verträglich

Allogene Stammzellen aus Nabelschnurblut sind auch für Erwachsene gut verträglich. Dieser Vorteil und die Tatsache, dass Patienten mit einem Körpergewicht über 40 Kilogramm auch Stammzellen von zwei verschiedenen Spendern erhalten könnten, sodass ausreichende Zellzahlen erzielt würden, dürfte den Stammzellbanken für allogenes Nabelschnurblut eine deutlich größere Bedeutung als bisher verschaffen, sagte Kögler.

Die Auswertung einer US-Studie der Universität von Minnesota in Minneapolis ergab: Von 785 Kindern unter 16 Jahren mit akuter Leukämie war die Fünf-Jahres-Überlebensrate ohne Rezidiv genau so hoch nach Transplantation von Nabelschnurblut mit einem oder zwei Mismatches oder HLA-identischem Knochenmark (Lancet 369, 2007, 1947).

Und von etwa 400 Erwachsenen, die zwei Konserven verschiedener Spender erhalten hatten - die meisten Empfänger hatten hämatologische Malignome - lebten nach drei Jahren noch 72 Prozent, so Kögler. Das seien hervorragende Ergebnisse.

Für die private Lagerung von Nabelschnurblut zum Eigenbedarf, wie sie auch in Deutschland angeboten würden, gebe es keine sinnvolle medizinische Indikation, sagte Kögler.

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