Ärzte Zeitung, 31.01.2008

Niedrig dosiertes Steroid beim Myelom günstig

Kombinationstherapie mit Lenalidomid

ATLANTA (nsi). Eine Variation der Standardtherapie kann bei Patienten mit multiplem Myelom zwar mit einer etwas geringeren Rückbildungsrate des Tumors einhergehen, aber auch mit einer niedrigeren Toxizität. Dadurch tolerieren die Patienten die Therapie länger und leben länger als Patienten mit der Standardtherapie.

Bei der Therapie von Tumorpatienten bewegen sich Onkologen auf schmalem Grat: Je effektiver das Wachstum der Malignomzellen gebremst wird, desto stärker sind im Allgemeinen die unerwünschten Wirkungen auf gesunde Zellen. Professor S. Vincent Rajkumar von der Mayo Clinic in Rochester hat die Therapievariation - Kombination aus Lenalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason - bei der US-Hämatologen-Tagung ASH in Atlanta als "künftigen Standard für die Behandlung von Patienten mit neu diagnostizierter Erkrankung" bezeichnet.

Weniger unerwünschte Wirkungen als mit Standarddosis

In der vorgestellten Studie betrug die Ansprechrate nach 24 Monaten 82 Prozent unter Standard-Dosierung von Dexamethason und 71 Prozent bei reduzierter Kortikoiddosis. Komplettes Ansprechen etwa bedeutet vollständige Rückbildung aller messbaren Tumorparameter für mindestens vier Wochen. Das Gesamtüberleben nach zwei Jahren Follow-up war unter niedrig dosiertem Dexamethason jedoch günstiger als bei Patienten mit der Standard-Dosis, nämlich 87 versus 75 Prozent. Der Unterschied ist statistisch signifikant.

Schwere hämatologische und nicht-hämatologische Toxizitäten -also vom Grad III oder IV - seien bei niedrig dosierter Dexamethason-Therapie weniger häufig aufgetreten als bei Standard-Dosierung, zum Beispiel tiefe Venenthrombosen, pulmonale Embolien oder Infektionen.

Dauer der Therapie kann verlängert werden

Die niedrigere Toxizität einer Behandlung mit Lenalidomid plus niedrig dosiertem Dexamethason ermögliche eine längere Behandlungsdauer, sagte Rajkumar. Ein Grund dafür, dass in der Niedrigdosis-Gruppe für Dexamethason nach zwei Jahren mehr Patienten lebten als in der Vergleichsgruppe, könne sein, dass Lenalidomid besser wirke, wenn das Immunsystem durch die Therapie weniger stark beeinträchtigt sei.

Lenalidomid (Revlimid®) ist bisher in Deutschland für die Zweilinien-Therapie bei Patienten mit multiplem Myelom zugelassen.

Weitere Informationen zu Multiplem Myelom finden Sie unter der Adresse http://www.lymphome.de

So wurde dosiert

In beiden Studienarmen erhielten die Patienten 25 mg Lenalidomid oral an den Tagen 1 bis 21 eines 28-tägigen Therapiezyklus. Die Patienten des einen Studienarms nahmen 40 mg Dexamethason täglich oral an den Tagen 1 bis 4 sowie 9 bis 12 und 17 bis 20 ein. Im anderen Studienarm wurde die Arznei vier Mal pro Therapiezyklus - an den Tagen 1, 8, 15 und 22 - in derselben Dosis appliziert. (nsi)

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