Ärzte Zeitung online, 04.09.2009

Neue Analyse: Erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern nahe Atomkraftwerken

BERLIN (hom/mut). Kinder und Jugendliche, die in der Nähe von Atomkraftwerken leben, haben ein erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Arztes und Epidemiologen Professor Eberhard Greiser im Auftrag von Bündnis 90/Die Grünen hervor, die in Berlin vorgestellt wurde.

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In der Nähe von Atomkraftwerken ist das Leukämie-Risiko bei Kindern erhöht.

Foto: Philip Lange ©www.fotolia.de

Bei Säuglingen und Kleinkindern unter fünf Jahren ist demnach das Krebsrisiko um etwa 19 Prozent, bei Kindern unter 15 Jahren um 13 Prozent erhöht. Dies gelte für eine Umgebung von etwa 20 bis 50 Kilometer um die untersuchten Atomkraftwerke, erläuterte Studienmacher Greiser, der von 1997 bis 2004 auch Direktor des Krebsregisters in Bremen war.

In die Studie seien Erkrankungsdaten in der Umgebung von insgesamt 80 Kernkraftwerken aus fünf Ländern - Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und USA - eingeflossen und ausgewertet worden. Für die Altersgruppe der unter fünfjährigen Säuglinge und Kleinkinder seien insgesamt 2096 Erkrankungsfälle in der Nähe von Kernkraftwerken herangezogen worden, für die unter 14 Jahre alten Kinder 3742. Die Ergebnisse, so Greiser, "sprechen gegen die Ansicht, nach der radioaktive Emissionen aus Atomanlagen als Ursache für die Leukämie-Erhöhungen grundsätzlich auszuschließen sind".

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte, die Studie untermauere, dass es sich bei der Atomkraft um eine Hochrisikotechnologie handele, von der große Gesundheitsgefahren ausgingen. "Fakt ist: Kinder, die in der Nähe von Atomkraftwerken leben, haben ein erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken." Union und FDP würden die Risiken der Atomkraft noch immer unter den Teppich kehren. "Sie reden bei Atomenergie immer davon, dass es sich dabei um eine billige und sichere Energieform handelt. Ich sage, beides ist Unfug."

Allerdings gibt es auch immer wieder Kritik an solchen Studien und vor allem an deren Interpretation. So wird das Ergebnis zwar nicht bestritten, jedoch bleibt unklar, ob die erhöhte Krebsrate tatsächlich von den AKW verursacht wird und nicht andere Ursachen hat, die mit AKW-Standorten verknüpft sind. Zudem ist der Effekt sehr gering: Zwar ist die Leukämierate in der Nähe von AKW im Schnitt tatsächlich erhöht, doch gibt es viele Landkreise ohne AKW mit wesentlich höheren, bislang unerklärbaren Leukämieraten.

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