Ärzte Zeitung online, 04.11.2009

Neue Angriffspunkte für Therapie bei akuter myeloischer Leukämie

FRANKFURT/MARTINSRIED (eb). Wissenschaftler der Universitätsklinik Frankfurt am Main und des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Martinsried bei München haben neue Angriffspunkte für eine zielgerichtete Therapie gegen die akute myeloische Leukämie (AML) gefunden.

Bei der AML vermehren sich unreife Vorläuferzellen der weißen Blutkörperchen rasch und unkontrolliert. Dadurch verdrängen die bösartigen Zellen die gesunden Abwehrzellen des Körpers - das Immunsystem des Betroffenen wird lahmgelegt. Ursache für eine AML sind verschiedene Mutationen in den blutbildenden Zellen des Knochenmarks. Besonders häufig sind die Gene für Eiweißstoffe betroffen, die normalerweise auf der Zelloberfläche sitzen und die Signalübertragung in der Zelle steuern. In Leukämiezellen sind diese Rezeptoren derart verändert, dass sie ständig aktiv sind und so der Zelle befehlen, sich unaufhörlich zu teilen.

Die Rezeptoren werden vom Endoplasmatischen Retikulum im Zellinnern gebildet. In gesunden Zellen wandern die Rezeptoren anschließend an ihren Bestimmungsort - die Zelloberfläche. "Wir haben entdeckt, dass dies in Leukämiezellen völlig anders ist", erklärt Professor Hubert Serve von der Uniklinik Frankfurt am Main. "Hier verbleibt der Rezeptor vornehmlich im Inneren der Zelle am Endoplasmatischen Retikulum. Er entfaltet seine bösartige Wirkung also nicht, wie bisher angenommen, von der Zelloberfläche aus, sondern vor allem aus dem Zellinneren." Diese Forschungsergebnisse bilden eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien, welche die veränderten Rezeptoren zukünftig gezielt blockieren und die fehlgesteuerten Abläufe in der Zelle verhindern können (Molecular Cell, 2009, 36, 326).

Zum Abstract der Originalpublikation "Mislocalized Activation of Oncogenic RTKs Switches Downstream Signaling Outcomes"

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