Ärzte Zeitung online, 07.01.2010

Offenbar fördert ein daueraktiver Rezeptor Lymphomdrüsenkrebs

WÜRZBURG (eb). Bei einer bösartigen Krebserkrankung des Immunsystems haben Forscher einen möglichen neuen Therapieansatz gefunden. Denn sie wiesen nach, dass in einer bestimmten Gruppe von B-Zell-Lymphomen ein Rezeptor chronisch stimuliert ist. Und das fördert offenbar das Krebswachstum.

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Entartete B-Zellen in einem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom. Rechts oben im Eck ist eine der Krebszellen zu sehen, direkt links daneben eine gesunde B-Zelle. © Pathologisches Institut, Universität Würzburg

Entartete B-Zellen verursachen das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom, das ohne Behandlung sehr aggressiv verläuft. Ein internationales Forschungskonsortium, dem auch das Team um Professor Andreas Rosenwald, Pathologe an der Universität Würzburg, angehört, hat in den vergangenen Jahren beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom zwei wesentliche Untergruppen definiert, die sich biologisch und klinisch unterscheiden.

Jetzt haben die Forscher nachgewiesen: In einer dieser Untergruppen ist ein für B-Zellen spezifisches Protein, der sogenannte B-Zell-Rezeptor, chronisch stimuliert. Das fördert offenbar das Wachstum des Tumors (Nature 463, 2010, 88). "Der biologische Mechanismus, der zur ständigen Stimulation des Rezeptors führt, war bislang unbekannt. Er wird in unserer Publikation in Nature erstmals überhaupt beschrieben", so Rosenwald.

Möglicher Ansatzpunkt für neue Therapie

Diese neue Erkenntnis lässt sich in der Zukunft eventuell für die Therapie nutzen. Denkbar ist zum Beispiel eine medikamentöse Behandlung mit so genannten Kinaseblockern, welche die außer Kontrolle geratene Stimulation dämpfen könnten. Doch diese Möglichkeit muss in den kommenden Jahren erst durch klinische Studien überprüft werden.

Geprüft werden muss auch eine weitere Vermutung: Es gibt Hinweise darauf, dass der chronisch stimulierte B-Zell-Rezeptor zumindest für einen Teil der Fälle verantwortlich sein könnte, bei denen die Lymphom-Patienten trotz Behandlung sterben.

Dem internationalen Konsortium, das die Publikation in Nature vorgelegt hat, gehören acht Institutionen aus den USA, Deutschland, Kanada, Norwegen und Spanien an. Von deutscher Seite sind die Würzburger Professoren Andreas Rosenwald, Hans Konrad Müller-Hermelink und German Ott beteiligt. Professor Rosenwald ist seit September 2009 Vorstand des Pathologischen Instituts der Universität Würzburg.

Stichwort B-Zell-Lymphom

In Deutschland erkranken pro Jahr bei rund 3 000 Menschen an einem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom. Typische Symptome sind Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust sowie Lymphknoten-Schwellungen. "Mit einer kombinierten Immun- und Chemotherapie gelingt es, diese Lymphomerkrankung bei etwa 75 Prozent der Patienten langfristig in Schach zu halten oder sogar zu heilen", so Rosenwald in einer Mitteilung der Universität Würzburg. Warum allerdings etwa 25 Prozent der Patienten an dieser Krebserkrankung sterben, sei derzeit noch nicht vollständig erforscht.

Abstract der Studie "Chronic Active B Cell Receptor Signaling in Diffuse Large B Cell Lymphoma"

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