Ärzte Zeitung online, 11.02.2010
Onkologen gehen mit neuem Konzept erfolgreich gegen Arznei-Resistenz vor
MARBURG (eb). Mit einem neuen Konzept lässt sich bei
Patienten mit Leukämie erreichen, dass Resistenzen gegen ein
bestimmtes Krebsmedikament verhindert werden.
In einer Studie mit 20 Patienten, die an einer chronischen
myeloischen Leukämie erkrankt sind, verabreichten die Ärzte
zunächst das Standardmedikament Imatinib in Kombination mit dem
Zytokin Interferon-alpha. Das Zytokin stimuliert das Immunsystem. Nach
der Genesung reichte die Einnahme von Interferon alleine aus, um einen
Rückfall zu verhindern, wie die Krebsforscher aus Marburg,
Mannheim und Jena berichten (Journal of Clinical Oncology online).
Das
Arzneimittel Imatinib hat sich in wenigen Jahren zum
Standardpräparat in der Therapie bei chronischer myeloischer
Leukämie entwickelt. Die Leukämie geht mit einer
unkontrollierten Vermehrung von weißen Blutkörperchen einher
und führt zum Tod, wenn die Patienten nicht behandelt werden.
Imatinib regt die Krebszellen zu kontrolliertem Zelltod an und hemmt
die Aktivität des Krebs auslösenden Gens BCR-ABL. Dadurch
bewirkt Imatinib zwar das Nachlassen der Krankheitssymptome, aber eine
dauerhafte Verabreichung der zielgerichteten Therapie birgt auch das
Risiko für unerwünschte Effekte: So können zum Beispiel
Krebszellen resistent gegen den Wirkstoff werden, so dass es zu
Rückfällen kommt.
Um das zu vermeiden, erprobten die Forscher in der aktuellen Studie
das neue Konzept. Sie behandelten die Patienten mit Imatinib sowie
zusätzlich mit Interferon-alpha. "Interferon-alpha bewirkt
vermutlich, Imatinib-resistente Leukämiezellen durch Aktivierung
des körpereigenen Immunsystems zu kontrollieren", so Privatdozent
Andreas Burchert aus Marburg in einer Mitteilung der
Philipps-Universität Marburg. Nach initialer Kombinationstherapie
wurde Imatinib bei gutem Therapie-Ansprechen abgesetzt.
Als Maß für den Gesundheitszustand bestimmten die
Mediziner jeden Monat die Aktivität des BCR-ABL-Gens. Während
eines Beobachtungszeitraums von bis zu vier Jahren blieben 15 der 20
Patienten gesund, das entspricht einer Erfolgsquote von 75 Prozent.
Außerdem stieg die Zahl derjenigen Patienten, die auch in
molekularen Tests vollständig symptomfrei waren. Fünf der
behandelten Personen erlitten Rückfälle, sprachen jedoch auf
eine erneute Therapie mit Imatinib sehr gut an.
"Eine Behandlung mit Interferon-alpha ermöglicht es den meisten
Patienten, Imatinib abzusetzen", so die Onkologen. Das neue Konzept
könne eine attraktive Alternative zu einer lebenslangen Behandlung
mit Imatinib sein, hoffen die Wissenschaftler.

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