Sonntag, 12. Februar 2012
Ärzte Zeitung online, 11.02.2010

Onkologen gehen mit neuem Konzept erfolgreich gegen Arznei-Resistenz vor

MARBURG (eb). Mit einem neuen Konzept lässt sich bei Patienten mit Leukämie erreichen, dass Resistenzen gegen ein bestimmtes Krebsmedikament verhindert werden.

In einer Studie mit 20 Patienten, die an einer chronischen myeloischen Leukämie erkrankt sind, verabreichten die Ärzte zunächst das Standardmedikament Imatinib in Kombination mit dem Zytokin Interferon-alpha. Das Zytokin stimuliert das Immunsystem. Nach der Genesung reichte die Einnahme von Interferon alleine aus, um einen Rückfall zu verhindern, wie die Krebsforscher aus Marburg, Mannheim und Jena berichten (Journal of Clinical Oncology online).

Das Arzneimittel Imatinib hat sich in wenigen Jahren zum Standardpräparat in der Therapie bei chronischer myeloischer Leukämie entwickelt. Die Leukämie geht mit einer unkontrollierten Vermehrung von weißen Blutkörperchen einher und führt zum Tod, wenn die Patienten nicht behandelt werden. Imatinib regt die Krebszellen zu kontrolliertem Zelltod an und hemmt die Aktivität des Krebs auslösenden Gens BCR-ABL. Dadurch bewirkt Imatinib zwar das Nachlassen der Krankheitssymptome, aber eine dauerhafte Verabreichung der zielgerichteten Therapie birgt auch das Risiko für unerwünschte Effekte: So können zum Beispiel Krebszellen resistent gegen den Wirkstoff werden, so dass es zu Rückfällen kommt.

Um das zu vermeiden, erprobten die Forscher in der aktuellen Studie das neue Konzept. Sie behandelten die Patienten mit Imatinib sowie zusätzlich mit Interferon-alpha. "Interferon-alpha bewirkt vermutlich, Imatinib-resistente Leukämiezellen durch Aktivierung des körpereigenen Immunsystems zu kontrollieren", so Privatdozent Andreas Burchert aus Marburg in einer Mitteilung der Philipps-Universität Marburg. Nach initialer Kombinationstherapie wurde Imatinib bei gutem Therapie-Ansprechen abgesetzt.

Als Maß für den Gesundheitszustand bestimmten die Mediziner jeden Monat die Aktivität des BCR-ABL-Gens. Während eines Beobachtungszeitraums von bis zu vier Jahren blieben 15 der 20 Patienten gesund, das entspricht einer Erfolgsquote von 75 Prozent. Außerdem stieg die Zahl derjenigen Patienten, die auch in molekularen Tests vollständig symptomfrei waren. Fünf der behandelten Personen erlitten Rückfälle, sprachen jedoch auf eine erneute Therapie mit Imatinib sehr gut an.

"Eine Behandlung mit Interferon-alpha ermöglicht es den meisten Patienten, Imatinib abzusetzen", so die Onkologen. Das neue Konzept könne eine attraktive Alternative zu einer lebenslangen Behandlung mit Imatinib sein, hoffen die Wissenschaftler.

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