Ärzte Zeitung online, 05.10.2010

Antikörper nutzt Leukämie-Patienten mit schlechter Prognose

Antikörper nutzt Leukämie-Patienten, die sonst eine schlechte Prognose haben

BERLIN (gvg). Patienten mit einer akuten lymphatischen Leukämie (ALL) der B-Vorläuferzellen, bei denen trotz Therapie eine minimale Resterkrankung besteht, haben eine schlechte Prognose. Der CD19-Antikörper Blinatumomab scheint bei diesen Patienten sehr wirksam zu sein.

"B-Vorläufer-ALL-Patienten mit minimaler Resterkrankung haben auch dann ein hohes Rezidivrisiko, wenn sie eine Stammzelltransplantation erhalten", sagte Dr. Max Topp von der Medizinischen Klinik 2 der Universität Würzburg. In der Best Abstracts-Session bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologe (DGHO) in Berlin stellte er eine explorative Studie vor, in der der Antikörper Blinatumomab bei diesen Patienten geprüft wurde.

Blinatumomab ist ein einkettiger Antikörper gegen das CD19-Antigen auf T-Zellen. In der Studie an mehreren klinischen Zentren erhielten 21 Patienten vier Wochen lang eine kontinuierliche Infusion des Antikörpers in einer Dosis von 15 mg/m2 Körperoberfläche pro Tag. Die Patienten waren zwar nach einer Induktions- und Konsolidierungstherapie in kompletter hämatologischer Remission, hatten aber bei molekularer Diagnostik noch eine minimale Resterkrankung.

Eine Beseitigung der minimalen Resterkrankung gelang bei 16 der 20 Patienten, deren Daten auswertbar waren. Darunter hatten 3 von 5 Patienten eine Philadelphia-Chromosom-positive ALL. 15 Patienten seien bis heute in einer anhaltenden hämatologischen Remission, wobei die Nachbeobachtungszeit bisher bis zu zwei Jahre betrage, so Topp. Die acht Patienten, die nach der Antikörpertherapie eine allogene Stammzelltransplantation erhalten hatten, sind ausnahmslos in Remission.

"Die unerwünschten Wirkungen entsprechen dem, was bei einer CD19-Blockade zu erwarten ist", sagte Topp. Es kam bei allen Patienten zu Fieber, bei 43 Prozent der Patienten zu Kopfschmerzen und bei jedem dritten Patienten zu einer transienten Lymphopenie. Ein Patient musste die Studie wegen eines epileptischen Anfalls abbrechen.

Besonders bemerkenswert sei, dass die Remissionen anhielten, obwohl keine weitere Chemotherapie erfolge. Wegen der guten Ergebnisse startet gerade eine EU-weite Studie. Ziel ist die Zulassung des Antikörpers, der wegen der relativ kleinen Patientenzahl möglicherweise einen Orphan Drug-Status erhalten könnte. "Für diese seltenen Patienten warten wir dringend auf eine zugelassene Therapie", betonte Professor Gerhard Ehninger von der Universitätsklinik Dresden.

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