Ärzte Zeitung online, 17.12.2010

Asse: Ursachensuche nach erhöhter Leukämierate

Vor zwei Wochen gingen die ersten Zahlen durch die Medien: Rund um das Atommüll-Lager Asse sollen deutlich erhöhte Krebsraten gemessen worden sein. Jetzt hat das Krebsregister die Zahlen veröffentlicht und bestätigt. Nun beginnt die Ursachensuche.

Asse: Ursachensuche nach erhöhter Leukämierate

Atommüll-Lager Asse: Deutlich erhöhte Krebsraten.

© dpa

HANNOVER/OLDENBURG (cben). Die Ursache ist weiter unklar. Aber die auffällig vielen Krebsneuerkrankungen in der Nähe des Atommüll-Lagers Asse in Niedersachsen sind in der Tat nur hier zu erkennen. Das ergibt der Bericht des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN), der am Donnerstag in Hannover vorgelegt wurde.

In der Samtgemeinde Asse, im Umfeld des unterirdischen Atommüll-Lagers, erkrankten demnach zwischen 2002 und 2009 genau 18 Menschen an Leukämie - statistisch erwartbar wären 8,5. An Schilddrüsenkrebs erkrankten 12 Menschen und damit drei Mal so viele wie die erwarteten 3,9.

Auch das Risiko, an Leukämie zu sterben lag mit elf Toten zwischen 2002 bis 2008 doppelt so hoch wie im übrigen Landkreis. Hier starben fünf Menschen an Leukämie.

"Bei der Verteilung von Krebsneuerkrankungen sowie Krebssterbefällen in den übrigen Gemeinden des Landkreises Wolfenbüttel sind keine Auffälligkeiten zu erkennen", heißt es nun in dem Bericht.

Die Erhöhungen bei Leukämie- und Schilddrüsenkrebs-Erkrankungen und den Sterberaten beschränken sich also auf die Samtgemeinde Asse.

Um die Ursachen der vermehrten Erkrankungen zu ermitteln, hat sich am Donnerstag zum zweiten Mal die vom Niedersächsischen Gesundheitsministerium eingesetzte Ad-hoc-Arbeitsgruppe getroffen. Dem Gremium gehören unter anderem Vertreter des Krebsregisters, des Gesundheits- und des Umweltministeriums Niedersachsens an.

Was die betroffenen Patienten betrifft, hat sich noch kein klares Bild ergeben. Erst nach Durchsicht ihrer Krankenakten ließe sich möglicherweise Genaueres über den Zusammenhang von Atommüll-Lager und Krebsneuerkrankungen sagen, hieß es.

Beim Gesundheitsamt des Landkreises Wolfenbüttel haben sich nach Auskunft der Leiterin Dr. Dorothea von Nicolai bisher 80 Patientinnen und Patienten gemeldet. "Acht von Ihnen gehören zu den von der statistischen Auffälligkeit Betroffenen", erklärte von Nicolai der "Ärzte Zeitung".

Die Patienten erhalten vom Gesundheitsamt einen Fallerfassungsbogen. Er umfasst unter anderem Angaben zur Person und zum Wohnort. "Vor allem aber können die Patienten uns gegenüber ihren Arzt von der Schweigepflicht entbinden, damit wir von ihm genauere Daten bekommen können", sagte von Nicolai. Dieses Vorgehen werden derzeit vom Landesgesundheitsamt datenschutzrechtlich geprüft, hieß es.

Unterdessen hat Niedersachsens Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) angekündigt, ein "kleinräumiges Monitoring" auf Krebserkrankungen bis hinunter auf die Gemeindeebene erarbeiten zu lassen. Es solle zunächst auf Niedersachsen gelten und dann auch mit anderen Ländern abgestimmt werden.

[22.12.2010, 18:00:38]
Dr. chodja abolmaali 
Asse
Um die Ursachenfindung der erhöhten Krebrate kümmern sich viele Institutionen und Behörden.Warum hört man nichts von der Atomindustrie?
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